Montenegro

P14 – Abenteuerroute im Durmitor Nationalpark

Für uns ist die Befahrung der P14 ein Highlight. Sie ist eine der spektakulärsten Bergstraßen und führt durch das beeindruckende Bergmassiv des Durmitor Nationalparks im Norden von Montenegro. Unseren Traveltiger durch die unbeleuchteten Tunnel, vorbei an schwindelerregend steilen Abhängen und durch äußerst enge Abschnitte zu navigieren, ist eine Herausvorderung.

Du solltest besser schwindelfrei sein, denn von Beginn an führt die P14 steil berauf und ihre gefährlichen Abhänge sind ohne Schutzvorrichtung.

Von Plužine nach Žabljak

Die P14 verläuft in ostwestlicher Richtung von Žabljak, einer Stadt auf dem höchsten Punkt des Balkans, nach Plužine am Ufer des Pivastausees. Die Passstraße verbindet zwei von Südosten nach Nordwesten verlaufenden Tälern, die beide tief und Canyon-artig ins Gebirge eingeschnitten sind: dem Tara-Canyon im Osten – der tiefsten Schlucht Europas – und dem zu einem See aufgestauten Piva-Tal im Westen.

Konzentration und voraussichtiges Fahren ist erstes Gebot, denn ein Fahrfehler kann uns das Leben kosten.

Wir starten unser Abenteuer im Westen und verlassen den Piva Canyon bei Plužine. Direkt nach der Brücke über den Pivsko Jezero beginnt die P14 und führt sofort steil bergauf. Der erste Abschnitt ist schon sehr anspruchsvoll und auch gefährlich, denn die Serpentinen sind für unseren MAN ziemlich eng bemessen und die gefährlichen Abhänge sind ohne Schutzvorrichtung.

Die Durchfahrt der engen, in Stein gehauenen Tunnel der P14 – mit dem MAN TGM ein Abenteuer für sich.

Auf den ersten Kilometer müssen wir sehr viele in Stein gehauene Tunnel durchqueren und unsere Sorge gilt unserer Fahrzeughöhe. Zuvor haben wir uns im Internet über die P14 informiert, ob die Angaben über die Tunnelhöhen stimmt, wird sich nun herausstellen. Die 3,60 Meter unseres Traveltigers sind tatsächlich in den Tunneln nicht das Problem. Allerdings sehr problematisch und schwierig zu befahren sind die sehr schmalen Tunnel, weil sie unbeleuchtet und extrem staubig sind. In dem Moment des Einfahrens sehen wir erst einmal gar nichts, und der Staub, den das Fahrzeug aufwirbelt, macht die Sicht zu den dichten Felswänden an der Kabinenseite und auch über die Rückfahrkamera nach hinten unmöglich.

Give and take

Die P14 ist tatsächlich so schmal, dass nur ein Fahrzeug passieren kann. Gut, dass uns niemand in den Tunneln entgegen kommt. Es ist nicht verboten, die Straße mit einem 13 Tonner zu befahren, doch Du solltest wirklich starke Nerven bei Gegenverkehr haben, denn es gibt keine Ausweichstellen. Fast ausschließlich begegnen wir Einheimischen, die meisten davon sind überhaupt nicht glücklich, uns zu treffen und weichen nur widerwillig aus. Manche sind auch von unserem langsamen Tempo sehr genervt und machen ihrem Ärger mit Hupkonzerten, unschönen Gesten und riskanten Überholmanövern Luft.

Die P14 durch den Durmitor Nationalpark zählt mit Recht zu den schönsten Passstraßen Europas.

Ein dickes Fell haben wir uns mit unserem Tiger schon lange zugelegt und Frank ist ein äußerst konzentrierter und ruhiger Fahrer, hingegen mein Stress steigert sich mit jedem weiteren Zusammentreffen. Das erforderliche Geben und Nehmen mit den anderen Verkehrsteilnehmern funktioniert leider nur bedigt oder überhaupt nicht. Für uns ist die P14 ein Abenteuer und ein Spaßprogramm, für die anderen einfach nur eine gefährliche Straße in sehr schlechtem Zustand, die einen so schnell wie möglich von A nach B bringen soll.

Der Durmitor Nationalpark ist der größte Nationalpark Montenegros und gehört seit 1980 zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Schmal, schmaler, Pfad

Zu allen Schwierigkeiten setze ich noch einen Navigationsfehler oben drauf und leite uns auf eine noch kleinere Piste. Wir verlassen aus Versehen die P14 und fahren über Vojinovići. Diese Piste ist eine ungewollte Abkürzung und spart einen großen Bogen der P14, die über Trsa weiterführt. Für uns ist ein Wendemanöver unmöglich und zuerst sind wir sehr traurig, dass mir dieser Fehler passiert ist. Doch in allem liegt immer etwas Gutes.

Flying high

Unverhofft kommt oft. Auf dieser Piste finden wir einen traumhaften Übernachtungsspot im High Five Man Autocamp. Fast wären wir an dem unscheinbaren Kleinod vorbei gefahren, hätte uns nicht eine ältere Frau herzlichst zugewunken und zu Halten aufgefordert. Eine kleine Hütte, ein Holzzaun, dahinter eine blühende Bergwiese, wer hätte hier ein Autocamp vermutet? Damit wir durch die kleine Zufahrt auf die Wiese fahren können, wird das Tor kurzerhand von der Wirtin ausgehangen.

Die kleine Berghütte überrascht uns sehr, denn sie ist innen sehr geschmackvoll ausgebaut und die Bar bestens ausgestattet. Das erste kühle Bier nach der anstrengenden Fahrt schmeckt uns besonders gut. Für fünf Euro bleiben wir sehr gerne, Dusche und Toilette gibt es natürlich auch, sowie Honig von den Wildblumenwiesen, Schafskäse und Raki. Wir verbringen hier einen Abend in atemberaubender Bergkulisse und in der Nacht glauben wir, inmitten der Sterne zu stehen. Ein unvergesslicher Anblick.

Sunset im High Five Man Autocamp. Wir können nur sitzen und staunen. Die Bergkulisse ist atemberaubend schön.

Der Sedlo Pass

Am nächsten Morgen geht es weiter die P14 bergauf. Das Bergpanorama ist überwältigend, auf den bunten Wiesen stehen die Champignons und die Kuh- und Schafherden weiden genüsslich das saftige Gras. Um uns herum liegen 48 Gipfel des Durmitor-Massivs die höher als 2000 m sind. Der höchste Gipfel des Durmitormassivs mit 2522 Metern ist der Bobotov Kuk.

Auf dem Sattelpass genießen wir die herrliche Aussicht bei allerbestem Wetter. Gerade das Wetter solltest Du im Blick haben, wenn Du planst, diese Passstraße zu fahren, denn schon bei Regen ist die Strecke sehr gefährlich und je nach Jahreszeit wird der Schnee zur Lebensgefahr.

It‘s done. Wir sind auf dem Sedlo Pass auf einer Höhe von 1957 Metern. Die Landschaft ist absolut stunning.

Nun geht es stetig hinab, vorbei an dem Valovito Bergsee, Wildpferden und Weidevieh. Hinab ist es genauso schwierig zu fahren, wie bergauf. Sehr vorsichtig und langsam fahren wir abwärts und unser Tagesziel ist Žabljak und der Besuch des Black Lake. Ab da wollen wir in die tiefste Schlucht Europas fahren, ein Schatz im Herzen des Durmitor Nationalparks. Dieses Naturwunder der Superlative, die Tara-Schlucht, ist nur wenigen Reisenden bekannt.

Der Valvolido Jezero liegt vor uns, ab nun geht es stetig bergab Richtung Žabljak.

Der Black Lake bei Žabljak

Langsam verändert sich die hochalpine Landschaft, der Baumbestand hat uns wieder. Wir erreichen Žabljak, die höchstgelegene Stadt Montenegros. Die Kleinstadt ist Ausgangspunkt für zahlreiche Exkursionen und Ausflüge ins Gebirge und für uns der Ausgangspunkt für den Besuch des Black Lakes. Umgeben von dichtem Wald, eingebettet im Dinarischen Gebirge, hat man in traumhafter Kulisse einen fantastischen Blick auf den Gipfel des Međed.

Absolut überwältigend ist die Lage des Black Lake, umgeben von den hohen Gipfeln des Durmitor Massivs.

Ein echtes Abenteuer findet hier für uns einen passenden Abschluss. Die Überquerung des Durmitormassivs auf der P14 wird für immer ein Highlight auf unserer Reise mit dem Traveltiger bleiben und ein unvergessliches Erlebnis. Wir können nur jedem empfehlen, sich diese herrliche Gebirgslandschaft anzuschauen. Eine Autobahn durch den Park ist schon in Planung und wer weiß, ob die P14 aufgrund ihrer Gefährlichkeit weiterhin für ExMos befahrbar bleibt.

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