Europa Frankreich Tiger Tour

Abenteuer an der Loir

Anfängerfehler!

Der Abschied von der Mayenne und einem außergewöhnlich schönen und verwunschenen Stellplatz fällt uns nicht leicht. Auch hinaus in den Sturm und zurück auf die Straße wollen wir gar nicht so recht. Über Google suche ich uns einen möglichen Stellplatz an der Loir aus, ganz in der Nähe des Städtchens Châteaudun.

Die Jungfernfahrt ‚Parcours de l’Eau‘ führt uns über Alençon durch den Parc naturel régional du Perche, die uns nicht besonders begeistert. Da wir die kleineren Straßen bevorzugen, führt uns unsere Tagestour durch sehr traurige und verlassene Gegenden. Nicht überall findet man in Frankreich blühende Landschaften. Viele Orte sind in einem sehr schlechten Zustand, die Häuser verfallen im Ortskern und mehr als die Hälfte der Objekte steht leer. Sehr schade, handelt es sich doch meistenteils um sehr schöne Städtchen mit historischen Gebäuden.

Leerstand auf dem Land – in allen Ortschaften stehen die Läden leer.


Endlich einmal am frühen Nachmittag erreichen wir in Marboué an dem Loir. Heute wollen wir alles richtig machen, das heißt: nicht erst im Dunkeln ankommen, sondern noch den späten Nachmittag genießen.

An der Loir versinken wir in den Banketten neben den Fischteichen.

Erstens kommt es anders…

Auf der Karte suchen wir uns ein abgelegenes Plätzchen zwischen Fischteichen und dem Loir aus. Dafür müssen wir erst unter einer niedrigen, nur 3.70 cm hohen Eisenbahnbrücke hindurch. Der erste Spot , der sich nach der Brücke anbietet, erscheint uns nicht heimelig genug und wir biegen in einen schmalen Weg ein, der zwischen zwei großen Fischteichen entlang in Richtung Fluß führt.

…und zweitens als man denkt.

Durch den tagelangen Regen sind die Wege aufgeweicht und auf den Feldern und Wiesen stehen an den tiefen Stellen die Wasserlachen. Noch sind wir guter Dinge, der Weg erscheint uns einigermaßen fest zu sein. Als wir jedoch Ästen ausweichen wollen, passiert es. Wir geraten in die unbefestigte Bankette und sinken unverzüglich ein. Frank versucht noch, zu manövrieren, doch wir versinken gnadenlos und der Tiger gerät in eine gefährliche Schieflage.

Durch die Schräglage laufen uns frisch getankte 400 Liter Wasser in den Graben und verstärken unser Problem.

Der Tiger in Gefahr!

Selbsthilfe zeigt sich schon nach einem Versuch ausgeschlossen. Der Traveltiger liegt erschreckend schräg, es sieht aus, als drohe er zu kippen. Unsere frisch getankten 500 Liter Trinkwasser ergießen sich zu allem Übel auch noch in den im Matsch versunkenen Hinterreifen. Wir evakuieren das Fahrerhaus, die Hunde müssen raus und alles das, was uns wichtig erscheint. Handtaschen, Jacke. Noch scheint die Sonne und wir denken nicht an Regenprotektion oder gar eine Versorgung über mehrere Stunden.

Hilfe, aber wo?

Ohne Treppe können wir jetzt in die Wohnkabine, alles kommt uns entgegen gerutscht! Gott sei Dank haben wir keine Schublade vergessen, zu verriegeln. Frank macht sich daran, den Unterfahrschutz freizubekommen, damit er ihn für die Bergung hochklappen kann.

Mit den Hunden im Schlepptau mache ich mich auf den langen Weg zurück in Richtung Marboué, um Hilfe zu suchen. Nach zwei Kilometern entdecke ich einen Gartenbaubetrieb und versuche zwei schon auf Feierabend-Modus eingestellte Mitarbeiter zu motivieren, uns zu helfen. Sie sind unglaublich nett und kommen direkt zu uns mit ihrem gerade mit Hochdruckreiniger abgespritzten Schlepper.

Nach Kilometern finde ich einen Bauunternehmer und hoffe, die Jungs im Feierabend noch zur Hilfe mobilisiert zu bekommen.

Der Bagger kommt vergebens 🚜😕

Sie bemühen sich sehr, uns aus unserer misslichen Lage zu befreien uns, doch ihr Bagger ist einfach nicht stark genug und unser Tiger steckt ziemlich tief in der Misère. Nachdem sich unser Tiger durch den Bergungsversuch noch gefährlicher zur Seite neigt, geben wir auf. Die beiden netten Helfer sind kompetent, sehr bemüht und überlegen nicht lange und ordern uns aus Châteaudun das passende Mobil bei einem profissionellen LKW-Bergungsunternehmen.

In Schieflage – wir haben wirklich Angst, dass unser Tiger umkippt, so tief sind wir in der Bankette eingesunken.

Stundenlang im kalten Regen und Sturm

Mittlerweile sind zwei Stunden vergangen. Sturmtief CORNELIUS hat uns mit Sturmböen, Regen und Kälte fest im Griff. In den Schuhen steht uns das Wasser, die Hunde zittern erbärmlich und wir können nichts dagegen tun. Für einen Regenschutz oder Plane im Fahrerhaus herumzuklettern, ist es mittlerweile viel zu spät, denn es wäre viel zu riskant.

Die Jungs vom Angelverein dokumentieren nicht nur den Schaden, sondern organisieren uns Gott sei Dank professionelle Hilfe.

Wir alle sind klitschnass und bei 5 Grad friert es sich im Wind ziemlich schnell. Wir müssen weitere eineinhalb Stunden auf den Bergungsdienst warten. Es ist schon fast Dunkel, als wir ihn auf der Hauptstraße im strömenden Regen und Sturm abpassen. Gott sei Dank kommt er unter der Brücke hindurch, aber nur, weil er sei schweres Fahrzeug absenken kann. Es scheint nun endlich eine Aussicht auf Erfolg für unsere Rettung zu geben. Der 40-Tonner wendet und arbeitet sich langsam und vorsichtig auf dem matschigen Untergrund rückwärts in den Weg zwischen den Fischteichen hinein, wo der Tiger feststeckt.

Auch der Bergungsdienst fährt sich fest

Nur nach wenigen Metern verlässt uns erneut der Mut, denn das Bergungsfahrzeug fährt sich selbst fest. Ich verliere jegliche Hoffnung und rechne schon damit, in dem kleinen, verschlafenen Ort eine Übernachtungsmöglichkeit suchen zu müssen. Doch nach einer knappen Stunde hat sich Valentin, unser Held, mit seiner Seilwinde selbst befreit.

Ich habe Frank noch nie in diesem Zustand erlebt…🤣🤣🤣

Frank mutiert

Valentin und unseren Tiger trennen noch gut 200 unüberwindbar scheinende Meter. Der Weg wird nicht besser. Unter diesen Bedingungen wäre es nachvollziehbar, wenn Valentin jetzt aufgeben würde. Doch er will uns wirklich da rausholen und rutscht vorsichtig tiefer in den Weg hinein und nähert sich Zentimeter um Zentimeter unserem Tiger.

Auf den letzten 70 Meter geht nichts mehr. Jetzt ist Schluß – Valentin kann sich keinen weiteren Meter mehr sicher zu uns kämpfen. Doch nun reichen Gott sei Dank sein Kran und Seil aus. Wieder keimt Hoffnung.

Valentin, unser Held. Ohne ihn wären wir da nicht rausgekommen. Gott sei dank hat er nicht aufgegeben und immer wieder einen neuen Anlauf gestartet, uns zu retten.

Valentin, unser Held

Und wirklich, Valantin befreit uns! Nach insgesamt fünf Stunden in Sturm und Regen sind wir endlich aus unserer verfahren Situation befreit. Dass wir die Nacht fast ohne Blessuren und in der Horizontalen in unserem Tiger verbringen können, ist allen engagierten Helfern und vor allem der Hartnäckigkeit und Gelassenheit von Valentin Chevalier aus Theligny zu verdanken. Danke, danke, danke.
Wie kaputt und fertig wir um kurz vor Mitternacht alle sind, ist kaum zu Beschreiben. Und wie wir ausgesehen haben, auch nicht!

Bis auf 70 m Arbeit sich der 40-Tonner-Bergungsdienst zu uns vor. Der Rest wird mit dem Bergungsseil überbrückt. Nach fünf Stunden kann der Traveltiger geborgen werden.
Ein Bergungsunternehmen aus der nächst größeren Stadt rettet uns und unseren Tiger.

Versicherung gut, alles gut

Gut, dass wir einen Schutzbrief bei der Arag-Versicherung abgeschlossen haben. (Keine Werbung!) Die Bergung des Fahrzeugs sowie alle damit zusammenhängenden Kosten wurden von der Versicherung anstandslos und umgehend beglichen. Noch vor unserer Bergung hat Frank mit der Versicherung telefoniert. Dort hat man uns wunderbar aufgefangen und alles wurde von der Versicherung anstandslos beglichen. Der freundliche Mitarbeiter hat sich Sorge um unser Wohlergehen gemacht und wir sind mehrmals an dem Abend und auch am nächsten Morgen angerufen worden, um sich nach uns zu erkundigten. So viel Freundlichkeit ist uns seitens einer Versicherung noch nie entgegengebracht worden.

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