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Lebensgefährliche Rutschpartie

Die Route haben wir so geplant, dass unsere letzte Übernachtung auf unserer Jungfernfahrt ,Parcours de l’Eau‘ in den Vogesen sein soll.
Dumm.

Zuerst erschreckt uns die Moselotte mit ihren reißenden Fluten, und der Wind, der uns nun schon seit Tagen so vertraut um den Kopf bläst, hat sich mittlerweile zu einem Orkan entwickelt – Sturmtief EBERHARD werden wir nie vergessen. Von Gérardmer aus flüchten wir immer weiter bergan, auf der Suche nach einem geschützten, ruhigen Plätzchen für die Nacht. Den finden wir auch, und zwar auf über 950 m oberhalb von Xonrupt-Longemer, noch eine Serpentine höher gelegen als der Skilift (!), hauptsächlich umgeben von leerstehenden Ferienhäusern.

Noch sind unsere Aussichten friedvoll und der Blick in das Tal romantisch.
Noch ahnen wir nichts böses und ich bereite unser Abendessen vor. Die erste Osterglocken sollen uns Glück bringen.
Wir verbringen einen ruhigen und gemütlichen Abend im Auto – passend zu der Region mit Choucroute.

Traumhafte Aussicht ohne Wind!

Abends waren wir noch froh und glücklich über unseren idyllischen Standort, wo wir uns auf der dem Wind abgekehrten Bergseite kuscheln. Wir geniessen den traumhaften Blick hintunter auf das Städtchen im Tal. Doch am nächsten Morgen werden wir jäh aus unserem Schlaf gerissen – es hat angefangen zu schneien.

Anstatt Sturmtief Eberhard und den Schnee abzuwarten, packen wir schnell alles zusammen und bereiten uns auf die Abfahrt vor🙈❄️⛷!!!

Eine lebensgefährliche Entscheidung

Die Entscheidung, schnellstmöglcih aufzubrechen, hätte uns an dem Morgen beinahe das Leben gekostet. Natürlich haben wir unsere Schneeketten zu Hause gelassen – wir wollten ja in den Süden, mit Bikini und Sommershirt. So versuchen wir es ohne lebensrettende Hilfsmittel und kommen auf der verschneiten, steil bergab führenden Straße schon in der ersten Kurve ins Rutschen. Die 12 Tonnen schieben gewaltig und um ein Abstürzen den Steilhang hinunter zu verhindern hilft nur: Gas geben. Das ausbrechende Heck schmiert gerade so über die Abbruchkante – das war wirklich knapp! Zehn Zentimeter, die über unser Leben entschieden haben. An dieser Stelle wären wir in den Hang gekippt und hätten uns überschlagen, bis uns ein Haus oder ein Baum gestoppt hätte.

Kein ruhige Hand hab ich für diese Foto, so zittere ich nach unserem Beinahe-Absturz. Rückwärts haben wir uns auf diese einigermaßen gerade Stelle manövriert. Wir können alle von Glück sagen, dass wir noch leben.

Nichts geht mehr

Wir bleiben kurzerhand wenige Meter weiter auf einem geraden Stück stehen und machen das, was wir vernüftiger Weise schon direkt hätten machen sollen: wir lassen uns einschneien.
Knapp zwei Stunden später kommen Gemeindearbeiter, die für Reparaturarbeiten auf dem Weg zum Skilift sind (- – -). Sie ordern für uns den Winterdienst und wenig später werden die steilen Serpentinen geräumt und gestreut.

Endlich werden die Straßen geräumt und wir machen uns langsam wieder startklar.

Die Fahrt aus den Bergen

Wir machen uns, noch immer mit weichen Knien, an den Abstieg. Das Wetter ist katastrophal – Frank war schnell wieder oben auf und wollte den kurzen Weg über den Pass nach Mülhausen nehmen. Doch ich bestehe auf den Umweg über die Nationalstraße. Eine Weise Entscheidung, denn der Schneesturm mit Böen von über 120 km/h nimmt noch an Heftigkeit zu. Das Unwetter, vor dem wir die ganzen letzten Tage geflüchtet sich, hat uns überrollt und zeigt sein ganze Gewalt. Sturmtief Eberhard verursacht Schäden in Höhe von 800 Millionen Euro. Gott sei Dank kommen wir mit dem Schrecken davon, der uns allerdings wirklich in die Knochen gefahren ist.

Gut, das wir in tiefere Lagen kommen, hier sind die Straßen wenigsten frei.

Zuhause angekommen dauert es noch mehrere Tage, bis wir überhaupt realisieren, wie dumm wir waren und was wir für ein Glück hatten. Die Erlebnisse auf unserer Jungfernfahrt vom 1. bis 11. März 2019 werden wir nie vergessen, haben wir dabei doch viele wichtige Erfahrungen gemacht.

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