Wir nehmen Abschied von dem herrlichen Zedernwald und den Berberaffen des Ifrane Nationalparks und fahren über Azrou in Richtung Süden weiter. Wie fast immer haben wir am morgen noch kein festes Ziel, wir folgen der N8, es läuft gut, und wir wollen ein bisschen Strecke machen. Über M’rirt und Khénifra fahren wir an einem Tag die ganze Strecke bis Beni-Mellal und wollen nun doch endlich, ziemlich müde, einen Stellplatz für die Nacht finden. Ich entdecke auf Google Maps einen Stausee südlich von Beni-Mellal, nur wenige Kilometer entfernt. Da ich denke, dass sich dieser See sicher gut für einen Übernachtungsplatz eignet, wollen wir die wenigen Kilometer noch schnell abfahren.

Falsch gedacht! Ich habe den großen Fehler begangen, die Höhenlinien völlig zu mißachten.

Die R304 macht zuerst noch Spaß, dann werden die Serpentinen immer enger und steiler, die Straße ist in einem schlechten Zustand, einspurig und mit vielen ausgebrochenen Stellen, an denen es hunderte von Metern in die Tiefe geht. Frank kommt ins Schwitzen, ich bin im Stress und die Hunde können nicht mehr. Aus den fünfzig Kilometern von Beni-Mellal  bis zu dem Stausee Barrage Bin El-Ouidane werden für uns bis zur Ankunft am See ledige und anstrengende weitere zwei Stunden Fahrt. Wir schaffen es gerade noch, unseren Traveltiger bei Anbruch der Dunkelheit zu parken.

Es ist schon dunkel, als wir unseren ersten Pass in Marokko fahren. Geplant war das nicht – aber der Ausblick entschädigt für alle Serpentinen und die schlechte Straße.

Wir sind fix und fertig, und ich denke, ich habe meine Lektion gelernt. Stauseen sind generell nicht meine Sache, und in der Stimmung, in der wir sind, können wir zuerst die Schönheit dieses Spots nicht erfassen. Die vielen Straßenhunde tragen auch nicht gerade zur Entspannung bei, können wir doch deshalb unser Ayla und Aster nicht unbekümmert und unbeaufsichtigt laufen lassen.

Am Ende futtern wir alle, hungrig wie wir sind, und auch die Straßenhunde bekommen ihren fairen Anteil. Mit einem kühlen Bierchen beschließen wir den Abend, die Stimmung steigt und unsere Batterien laden wieder auf. Der Mond scheint über den See, es ist wunderbar ruhig und wir haben unser Fleckchen ganz für uns allein. Da darf man doch nach all der Anstrengung sagen: es hat sich gelohnt.

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