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Traveltiger 🌍 🐅 @zebrabarsenegal

Am 22. Januar 2020 haben wir unserem geliebten Koblenz Adieu gesagt und unsere schon so lange vorbereitete große Afrika-Umrundung gestartet 🌍🐅. Zu diesem Zeitpunkt war in China schon Corona – Covid-19 – ausgebrochen und in den Nachrichten weltweit Thema Nr. 1. Aber wer hat denn von uns da schon von einer Pandemie gesprochen? In den ersten Wochen unserer Reise sind wir dem Virus sozusagen vor der Nase hergefahren, ĂŒber Frankreich, Spanien nach Marokko. 

An der KĂŒste der Westsahara findet man noch einsame und berauschend schöne PlĂ€tze.
Mauretanien verzaubert und verfĂŒhrt uns in die Welt der Beduinen.

In Afrika fĂŒhrte uns unsere  Reiseroute weiter ĂŒber die Westsahara und Mauretanien in den Senegal, dessen Grenze wir mit unserem Traveltiger am Montag, den 9. MĂ€rz, passierten. Unser erster Stopp fĂŒr zwei drei Tage war die bei Afrika-Overlandern seit nun mehr als 25  Jahren berĂŒhmte ,Zebrabar’. Doch diese Camping-Lodge mit Bar, Restaurant und ganz viel Charme sollte nicht nur ein kurzer Stoppover werden, denn genau zu diesem Zeitpunkt hatte uns Corona eingeholt — die Grenzen wurden am darauffolgenden Freitag Abend geschlossen.

Am 9. MĂ€rz passieren wir die Grenze in den Senegal – vier Tage, bevor wegen des Corona-Virus die Grenzen geschlossen werden.

Der Initiative von Martin DĂŒrig, dem Schweizer Betreiber der Lodge, haben wir es zu verdanken, dass wir die Zebrabar seitdem nicht mehr verlassen mussten. Er organisierte in den ersten drei Tagen ein fĂŒr uns nötiges Zolldokument, das man leider nicht an der Grenze, kostenfrei 😉 nur in Dakar, bekommen kann. Via Taxi-Kurier, eine hier im Senegal durchaus ĂŒbliche Form der Erledigung von lĂ€stigen Wegen, vom Einkauf bis hin zu ungeliebten administrativen Dingen. Ansonsten hĂ€tten wir selber nach Dakar gemusst — und eine RĂŒckkehr in die Sicherheit der Zebrabar wĂ€re dann wohl nicht mehr möglich gewesen.

Mit uns sind hier in der Zebrabar noch weitere Gestrandete, ein junges PĂ€rchen aus Frankreich, Nina und Raphael, beide 28 Jahre alt, Natalia und Luis aus Barcelona, mitte Dreißig, und ein junger Algerier namens Khaled. Die Besitzerin Ursula DĂŒrig-BĂŒrki kam wenige Tage nach unserer Ankunft mit dem letzten Flugzeug von einem Heimatbesuch aus der Schweiz zurĂŒck. 

Die Restriktionen đŸ˜·đŸŠ  wurden hier im Senegal unverzĂŒglich und sehr konsequent umgesetzt und wir mussten uns sehr schnell und konzentriert organisieren. Die Schulen wurden sofort geschlossen, unverzĂŒglich wurde eine Ausgangssperre verhĂ€ngt und sogar die Bezirksgrenzen geschlossen — also eine Reise in die nĂ€chste Stadt nur noch mit Genehmigung durch die PrĂ€fektur möglich. 

Wir haben uns hier von Beginn an isoliert und unser wichtigstes Ziel, die Zebrabar nach außen hin abzuschotten, erreicht. DafĂŒr eignet sich die Location hier ideal, liegt doch die Zebrabar am Ende einer Landzunge kurz vor der MĂŒndung des Senegalflusses und außerdem mitten im ,Parc National de la Langue de Barberie‚ der ĂŒbrigens auch sofort geschlossen wurde. Die Zebrabar ist ein kleines Paradies auf Erden und fĂŒr uns absolut perfekt, um hier die Zeit der ReisebeschrĂ€nkungen auszusitzen. Deshalb haben wir uns auch dagegen entschieden zurĂŒckzufliegen, alleine schon wegen unseren beiden Hundchen und auch, weil wir unseren Traveltiger nicht hier alleine lassen wollen.

Von Beginn an bleiben wir in der Zebrabar unter uns und wollen gemeinsam die Zeit der Pandemie ĂŒberstehen.

In den letzten sechs Wochen sind wir zu einer wundervollen Kommune zusammen gewachsen. Jeder bringt seine StĂ€rken und seine Talente ein und es ist unglaublich, was sich in der kurzen Zeit hier entwickelt hat. Wir haben einen Englisch-, Französisch- und einen Spanischkurs eingerichtet, dreimal die Woche sind die Termine. Alle zwei Tage findet auf der Sonnenterrassse zum Sundowner unsere Yogastunde đŸ§˜â€â™‚ïž statt. Wir pflanzen GĂ€rten an, lernen bei dem BĂ€cker Raphael das Brotbacken und von Martin habe ich eine seiner Gitarren geliehen bekommen und spiele nach dreißig Jahren endlich wieder. Die Spanier motivieren uns tĂ€glich zu Wassersport und Angeln, 🎣 und Khaled lernt von mir das Aquarellieren, wofĂŒr er uns wiederum den Sternenhimmel ĂŒber dem Aussichtsturm der Zebrabar erklĂ€rt. Wir haben schon einige Geburtstagspartys hier gefeiert, doch zum gemeinsamen Kochen, zum Barbecue, zum gemĂŒtlichen Beisammensein oder einem afrikanischen Clubdance zu Ninas Soundanlage 😎 barfuß im Sand brauchen wir keinen besonderen Anlass mehr. Unsere Tage sind voller AktivitĂ€t und immer zu kurz. Wir bestellen gemeinsam unseren Einkauf, wie gesagt, via Taxi-Kurier, nur dann wird ausnahmsweise das ansonsten verschlossene Tor geöffnet. Die Abwicklung der Übergabe der Waren an uns findet mit Mundschutz und allen nötigen Vorsichtsmaßnahmen statt. So ist es uns gelungen, uns seit nun mehr als sechs Wochen zu  isolieren. Diese Zeit ist uns jedoch dank der Menschen hier, die mittlerweile zu Freunden geworden sind, bisher nie lang geworden.

Hippie-Life like in the Sixties

Ich habe noch nie in einer so großen Gruppe unterschiedlichster Menschen ĂŒber einen langen Zeitraum dicht zusammengelebt — ich möchte diese Erfahrung nie mehr missen! Ich gehöre mit Sicherheit zu den Menschen, die behaupten dĂŒrfen, dass sie durch die Zwangspause, die uns Corona auferlegt hat, sehr viel Positives erfahren haben. Es ist eine wunderbare Zeit, selten habe ich mich so wohl, frei und kreativ gefĂŒhlt, wie jetzt. Frank geht es ebenso. 

NatĂŒrlich gibt es bei allem Schönen auch Wermutstropfen. Einer davon ist sehr bitter: wir haben entweder sehr, sehr, langsames oder einfach gar kein Internet 😡. Das erschwert es uns, wichtige Informationen aus aktuelle Nachrichten zu bekommen. Andererseits hat auch dies etwas Gutes fĂŒr sich: man hat dadurch Timeout fĂŒr so kostbare Momente wie 🌟 ,Stargazing in African Nights‘ 🌟.

Die Restriktionen sollen hier am 4. Mai gelockert werden, ab 11. Mai sollen die Schulen wieder öffnen. Wir hoffen, dass damit auch die ReisebeschrĂ€nkung innerhalb des Landes aufgehoben werden, so könnten wir mit unserer verbleibenden Aufenthaltsgenehmigung noch mehr von diesem herrlichen Land entdecken. Unser großes Reiseziel ist immer noch das sĂŒdliche Afrika und wir sind optimistisch, dass wir meinen Bruder, der in Namibia lebt, besuchen können. Ich hoffe, dass wir unser Reisen durch Afrika fortsetzen können. Sicher werden wir noch das ganze Jahr mit Handicaps rechnen mĂŒssen. 

Bis jetzt verbringen wir alle eine entspannte und traumhafte Zeit in der Zebrabar Senegal.

Ich sehne mich danach, dass wir uns in unserer so wunderschönen und einzigartigen Welt frei und ohne EinschrĂ€nkungen bewegen können, und wir uns offen, zwanglos und ohne Vorurteile begegnen. ❀

Die Frage, ob sich die Welt und die Gesellschaft durch den Corona-Virus verĂ€ndern wird, bringt mich in einen Zwiespalt. Ich glaube nicht so recht an die ,Vernunft des Menschen’  — im schlimmsten Fall werden wir auf unsere ,erlittenen‘ BeschrĂ€nkungen mit doppelter Belohnung reagieren. Stell‘ Dir  doch mal vor: all’ die aufgeschobenen Geburtstage, Hochzeiten, Taufen und die vielen öffentlichen Veranstaltungen in allen Bereichen, die man eventuell doch noch nachholen kann, teilweise aus rein wirtschaftlichen GrĂŒnden — ich glaube an eine enorme Konjunktur. 

🙏 WĂŒnschen wĂŒrde ich mir allerdings fĂŒr die Welt einen weicheren Klang und einen ruhigeren Rhythmus — fĂŒr uns und unsere Umwelt, die sicher zur Zeit am allermeisten von Corona profitiert! Ich denke, wir mĂŒssen lernen, unsere Möglichkeiten und Potenziale, zum Beispiel die der Digitalisierung, weiter auszuschöpfen. Wozu noch lange Anreisen zu Meetings wenn eine Videokonferenz so nahe liegt. Die Kinder lernen hier im Senegal, wie in vielen anderen LĂ€ndern weltweit, nicht nur wĂ€hrend Corona, via Internet. Das ist sicher unser Weg in die Zukunft, denn unsere MobilitĂ€t wird uns allen zum VerhĂ€ngnis. Wir sind am Ende mit unserem Planeten und mĂŒssen deshalb unser Gesellschaft völlig neu konstruieren. Ich habe in den letzten Wochen etwas wesentliches gelernt:

Nicht die Unrast, sondern die Rast macht unser Reisen erst so wertvoll.

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