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Der Künstler Lamine Tamba

Wir lernen den Künstler Lamine Tamba an einem Vormittag in der Sujuwass-Bar, dem intellektuellen Szenetreff in Diembéring, kennen. 

Le Jeune Jardinier

Es wird viel gelacht und umringt von den ganz nach senegalesischer Art laut diskutierenden Gästen sitzt der freundliche ältere Herr mit seiner Baskenmütze in einem gemütlichen Sessel, tief eingesunken in die ausgesessenen, zerschlissenen Polster. Bescheiden, mit einem sanften Lächeln auf den Lippen, verfolgt er interessiert und aufmerksam das Spektakel in der institutionellen Dorfkneipe.

La Joyeuse Paysanne | 73 cm x 90 cm | Acryl auf Leinwand

Ich habe den Eindruck, dass er trotz seiner zurückhaltenden Art gespannt darauf ist, sich uns vorzustellen. Es dauert auch nicht lange, ein Wort ergibt das andere, und schon sind wir beide in ein Gespräch über Kunst im allgemeinen und der zeitgenössischen Kunst im Senegal vertieft. Natürlich sind wir schnell bei seiner und meiner Arbeit, wir zeigen uns Bilder auf dem Handy, tauschen unsere Gedanken aus und fühlen uns vertraut. Lamine Tamba ist ein äußerst höflicher Mensch, ich fühle mich sofort zu ihm hingezogen und sehr gerne nehme ich seine Einladung in sein Atelier an. Noch kennen wir uns nicht wirklich gut, aber wir wissen schon sehr viel über des anderen Vita.

Der Arbeitsplatz von Lamine.

Schon lange sind wir es gewohnt, sofort von den liebenswerten Menschen in Diembéring in ihren Kreis aufgenommen und anschließend neugierig ausgequetscht zu werden. Alle in Diembéring sind ausgesprochen offenherzig und nett. Erst nach vielen Monaten in der Casamance wissen wir das herzliche Wesen der Einwohner des kleinen, geschichtsträchtigen Örtchens, das am Ende der Straße von Cap Skirring kurz vor der Casamance-Mündung liegt, aufrichtig zu schätzen. 

La Femme du Planteur.

Viele Rastafari besuchen die Kneipe des Dorfes, vor dessen Eingang der riesige Fromager mitten im Herzen des Ortes steht. Im Zentrum des Geschehens findest Du den ,Mystic-Man’, der mit Dir stundenlang über Gott und die Welt diskutiert, und auch den über die regionalen Grenzen bekannten Musiker Denis Singuila. Abgesehen von sehr viel Alkohol liegt ein blauer Dunst von Ganja, hier auch Yamba genannt, in der Luft, denn Marihuana wird hier selbstverständlich ungehemmt geraucht und alle sind völlig tranquille.

Denis Singuila wird zum Freund, mehrfach besuchen wir seine Konzerte und er gehört, wie Lamine auch, zum festen Inventar der Sujuwass-Bar.
La signature.

Das Open-Air-Atelier von Lamine

Der erste Besuch in dem Haus von Lamine bringt mich zum Staunen. Wie einfach und bescheiden dieser Künstler lebt und arbeitet. Im Hof laufen die Hühner und Ziegen, vor dem Haus spielen Kinder, alles ist, wie üblich hier im Senegal, offen und transparent. Selbst der Arbeitsplatz von Lamine ist barrierefrei und einsehbar. eigentlich ist das Atelier nur ein kleiner, überdachter Bereich zwischen zwei Häusern und zum Hof hin offen.

Jeune Paysan. Acrylic | Casson | 24 x 32 cm

Die Wochen vergehen, unser erster Besuch in Lamin’s Atelier hat uns sehr beeindruckt. Ich hätte nicht gedacht, dass so zauberhafte Werke in einem so simplen open-air-Atelier entstehen können. Wie bescheiden dieser großartige Künstler ist, eröffnet sich mir erst später, und die Entscheidung, Lamine zu fördern, ist eine der besten meines Lebens. Lamine ist ein sehr strukturierter, feinsinniger und disziplinierter Mensch und hat meinen allergrößten Respekt.

Im Open-Air-Atelier von Lamine.

In Afrika sind die Künstler durch Corona am Ende

Die Kultur- und Kreativwirtschaft zählt zu den großen Verlierern der Corona-Krise. Die Zeiten für Künstler sind weltweit durch die Pandemie extrem schlecht. Aber in Afrika ist die Situation katastrophal, denn Förderungen und staatliche Hilfen gibt es hier nicht. Lamine Tamba’s Kunstwerke sind so fantastisch, dass ich mir sofort wünsche, etwas für ihn und seine Kunst zu tun. Ich freue mich sehr über meine Entscheidung, zukünftig mit ihm als Galeristin zusammen zu arbeiten. Aber schon jetzt gibt es vieles, was ich für ihn tun kann.

Ein sehr bedeutender Kunstaufkäufer und Mäzen hat mir einmal gesagt: „Künstler kann man nur fördern, indem man sie kauft.“

So ist dies das erste, was ich für Lamine tun kann – zwei seiner Artworks wechseln ihren Besitzer. Einige Monate Lebenshaltungskosten und das Schulgeld der Tochter von Lamine sind damit sichergestellt.

Hier steht nun das Paket und eine Rolle Leinwand für Lamine in unserem Hotelzimmer in Dakar. Mit der Post kann man im Senegal nichts versenden. Entweder man gibt es dem Bus mit, oder hat einen Freund wie Mickaél, der den Transport an das andere Ende vom Senegal übernimmt.

Künstlerbedarf gibt es nur in Dakar

Die Casamance im Süden Senegals ist die Heimat von Lamine. In Diembéring bzw. in Cap Skirring gibt es keinen Künstlerbedarf zu kaufen und mit dem durch Corona bedingten Ausbleiben seiner europäischen Kunden kann sich sich Lamine im Moment kein Material leisten, ein Teufelskreis, denn ohne Leinwand und Farben kann kein Gemälde entstehen. Kurz vor unserer Rückkehr nach Deutschland entschließe ich mich deshalb, meinen verehrten Künstlerfreund ein Geschenkpaket aus Dakar zuzusenden. Bei dem Transport von Dakar an das andere Ende vom Senegal hilft uns unser lieber Freund Mickaél.

Es macht mich unglaublich glücklich, Lamine mit seinen neuen Malmaterialien zu sehen, jetzt steht dem künstlerischen Schaffen nichts mehr im Weg. Ich bin sehr gespannt auf die neuen Werke von Lamine.

Ein langes Künstlerleben

Nach seiner Schulzeit zieht es den jungen Künstler Lamine Tamba 1979 nach Dakar, wo er die Kunsthochschule besucht. 1981 schließt er dort sein Studium mit dem Diplom ab. Lamine ist ein sehr aktiver Künstler, schnell reihen sich Ausstellung an Ausstellung und auch in Frankreich zeigt der erfolgreiche Künstler seine Werke.

Gruppen-Ausstellungen:

1976 : Centre Culturel Blaise Senghor ( Dakar )
1978 : Centre Culturel Blaise Senghor ( Dakar )
1980 : Carnaval de Ziguinchor ( Hôtel de ville )
1981 : Club Antilles Guyane ( Dakar )
1982 : Teng Village des Arts ( Dakar )
1982 : Goethe Institut ( Dakar )
1982 : Journée de solidarité du village des arts ( Dakar )
1982 : Sainte Marie de Anne ( Dakar UNESCO )
1983 : Ouverture Galerie Nationale d’Arts Contemporains ( Dakar )
1983 : Bakou ( Ex Union Soviétique )
1984 : Journée Culturelles de la SAFRA ( Village artisanal de Tambacounda )
1986 : 7ême FIDAK
1986 : Journée Culturelles de la SAFRA ( Village artisanal de Tambacounda )
1989 : Journée des Peuples Noirs( Hôtel de ville Ziguinchor )
1989 : Centre Culturel Régional de Ziguinchor ( Dédiées à Cheih Anta Diop)
1990 : Arts et Université ( UCAD Dakar )
1900 : Semaine culturelle régionale de Ziguinchor ( Centre Culturel Régional ).
1990 : Prince Saint George ( Etas Unis Amérique )
1991 : Alliance Franco-Sénégalaise de Ziguinchor
1992 : 5ême Salon Nationale des artistes du Sénégal ( Dakar )

Einzel-Ausstellungen:

1992 : Club Méditerané ( Cap Skiring )
1993 : Galerie 39 ( Dakar )
2005 : Hôtel la Paillote ( Cap Skiring )
2006/2007 :Hôtel de la Paillote ( Cap Skiring)
2007 : Restaurant le Djembé ( Cap Skiring ).
2009 : Initiateur et fondateur du premier festival des arts et cultures de Diembering.

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