Es ist Liebe auf den ersten Blick. Wir sind völlig begeistert von den Abruzzen und sie gehören für uns zu den schönsten Naturlandschaften Italiens – e basta!
Aus dem Internet wissen wir, das die Region berühmt für ihr enormes Naturerbe ist, aber es selber zu ‚erfahren‘, ist eine ganz andere Story. Die Abruzzen beheimaten drei spektakuläre Nationalparks, die oft als das „grüne Herz Europas“ bezeichnet werden. Sie bieten Lebensraum und Schutz, für seltene Tiere wie den Marsikanischen Braunbären und den Apennin-Wolf, auf dessen Spuren wir noch stoßen werden, sowie für die üppige und abwechslungsreiche Flora. Wir nehmen euch mit auf unserer Reise durch die traumhaften Abruzzen und beginnen mit dem Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga.
Für Abenteurer wie wir bieten sie eine perfekte Kombination aus alpiner Wildnis und italienischer Gastfreundschaft. Wie in ganz Italien sind wir auch hier mit unserem Traveltiger willkommen und finden immer einen Platz nach unserem Geschmack.
In dem Nationalpark gibt es unendlich viel zu entdecken, wie zum Beispiel die charmanten Taldörfer, Einsiedeleien, beeindruckende Schlösser oder auch die ältesten Kastanienwälder Italiens. Die jahrhundertealten Maronenwälder prägen bis heute das Landschaftsbild und die Kultur. Die daraus hergestellten zahlreichen Produkte zählen zu den vielen Spezialitäten der übrigens ausgezeichneten, regionalen Küche. Die unberührte Naturlandschaft ist ein Paradies zum Wandern und die Ausblicke in die überwältigende Kulisse der Montagne sind atemberaubend schön.

Der Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga
Mehrere Wochen lang bereisen wir auf unserer siebenmonatigen Italien-Tour diese weitläufige, beeindruckende Gebirgslandschaft. Sie ist die Heimat des höchsten Gipfels des Apennin, dem Corno Grande, und des Calderone-Gletschers, der leider in den nächsten Jahren verschwunden sein wird. Der Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga wurde 1991 eingerichtet und erstreckt sich über eine Fläche von 141.341 Hektar. Während der Gran Sasso, das zentrale und höchste Massiv der Abruzzen, schroffe und hochalpine Gipfel aufweist, beindrucken die etwas niedriger gelegenen Monti della Laga durch eine üppige Vegetation und sind geprägt von wasserreichen Tälern und dichten Wäldern.

Wir wollen im Norden des Parks mit dem Besuch des Lago di Campotosto starten und über Amatrice in die Monti della Laga einreisen, doch werden wir durch eine Straßensperrung bei Amatrice unvermittelt mit dem verheerenden Erdbeben von 2016 konfrontiert. Amatrice wurde am 24. August in den frühen Morgenstunden fast völlig zerstört und noch heute erinnern Ruinen überall in den Abruzzen an das verheerende Drama.
Auf unserer weiteren Reise treffen wir leider immer wieder auf Zeugnisse der vielen schrecklichen Erdbeben-Katastrophen, denn trotz des beständigen Wiederaufbaus haben viele junge Menschen ihre Orte verlassen, und in den engen Gassen der Bergdörfer begegnen wir in ganz Italien oftmals nur alten Menschen oder wir laufen durch eines der zahlreichen menschenleeren Geisterdörfer. Italien gehört zu den seismisch aktivsten Ländern Europas. Die gefährdetsten Regionen erstrecken sich entlang des Apennins, in Kalabrien, auf Sizilien sowie in den seismisch und vulkanisch aktiven Phlegräischen Feldern bei Neapel.

Lago di Campotosto
Der Lago di Campotosto ist ein Ziel für Touristen und Sportbegeisterte. Er ist umgeben von üppiger Vegetation, Wiesen und Wäldern und ist wegen seiner landschaftlichen und naturalistischen Bedeutung staatliches Naturschutzgebiet. Er hat sich auch im Laufe der Jahre zu einem Vogelparadies entwickelt. Wir sind im Mai dort und genießen nach kalten Regentagen die Sonne. Ob im Sommer oder Winter ist der Lago für Besucher ein beliebtes Ausflugsziel und auch wir sind begeistert von der fantastischen Landschaft.


Einmal rund um den Corno Grande
Nach unserem Aufenthalt am Lago di Campotosto fahren wir über die SS80 Richtung Osten, Teramo entgegen, und nehmen dann die SP43, die uns hinauf in das nördliche Gran Sasso führt. Über die Prati di Tivo sind die letzten Kilometer Offroad-Piste zu unserem Stopp am Fuße des Corno Grande, dem Valico del Laghetto, einem beliebten Startpunkt für Bergsteiger auf mehr oder weniger anspruchsvolle Wanderrouten zu den Gipfeln des Gran Sasso. Die lange Anfahrt hinauf in die Berge belohnt uns mit einem Sundowner und dem beeindruckenden Blick auf den Corno Grande – der unvergesslich bleibt.
Am nächsten Tag unternehmen wir eine herrliche Wanderung über hochalpine Blumenwiesen, einem einzigartigen botanischen Paradies mit Enzian, Gletscher-Petersbart, Apenninen-Edelweiß und vielen weiteren seltenen Alpenblumen. Ich traue mich kaum, den Fuß aufzusetzen, denn selbst auf dem schmalen Wanderweg stehen die weichen Pflanzenkissen in ihrer üppigen Frühjahrspracht.




Isola del Gran Sasso – Richtung Südosten um das Gran Sasso Massiv herum
Aus der Sackgasse Valico del Laghetto führt uns unser Weg zwangsläufig wieder hinab ins Tal, wo wir der SS80 weiter in Richtung Teramo folgen um dann bei Montorio al Vomano dem Abzweig hinauf nach Isola del Gran Sasso, die SP 491, wieder hinauf zu den Gipfeln zu folgen. Wenige Kilometer nach Isola del Gran Sasso biegen wir bei Tembrietta in Richtung Castelli, San Donato ab, und setzen unsere kurvenreiche und herausvordernde Fahrt auf der SP37 fort.
Die Fahrt durch enge Dörfer auf teils sehr schlechten Straßen ist äußerst anstrengend und fordert uns, doch souverän schraubt sich unser Tiger die Serpentinen hinan, als wäre es ein Spaziergang. Für unsere Strapaze werden wir jedoch unablässig mit spektakulären Ausblicken auf die Gipfel des Gran Sasso Massivs belohnt.
Kurz bevor die SP37, die konstant Richtung Süden führt, sich als SP8 nach Westen hin dem riesigen Hochplateau Campo Imperatore zuwendet, kommen wir an Rigopiano vorbei. Hier stand das Hotel Rigopiano, ein Vier-Sterne-Resort, das am 18. Januar 2017 nach extremen Schneefällen und Erdbeben von einer gigantischen Lawine verschüttet wurde. Ein schreckliches Unglück, durch das viele Menschen ihr Leben verloren haben. Steht man dort vor Ort und schaut auf den Verlauf des Abgangs der Lawine, fällt es sogar Laien wie wir auf, dass das Hotel in einer lawinengefährdeten Zone gebaut wurde. Viele Verantwortliche wurden wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Die Ruinen sind noch heute zu sehen und eine Gedenkstätte ist für die Verunglückten errichtet worden. Die Fragen bleiben, das Bild der Verwüstung bleibt in unserem Herzen.

Das Hochplateau Campo Imperatore
Die SS17bis wendet sich nun gegen Westen und vor uns eröffnet sich das riesige Hochplateau Campo Imperatore und wir verstehen sofort, warum es auch „Klein-Tibet“ genannt wird. Es erstreckt sich über etwa 15 bis 27 Kilometer und erinnert mit seiner weiten, kargen Landschaft tatsächlich an zentralasiatische Hochebenen. In einem Seitental finden wir einen etwas verborgenen, sehr schönen Spot mit Blick auf den Corno Grande, diesmal von Süden aus. Das Wetter ist die ganze Zeit kalt und regnerisch, der eisige Wind drückt uns in unser Fahrzeug. Wir verbringen einen Tag in Kälte, Sturm und Starkregen auf 1400 Metern und bieten zwei jungen Wanderinnen Asyl, die vor dem Starkregen und dem tobenden Sturm an den Wänden unseres Traveltigers Schutz suchen und letzendlich völlig durchnässt und verfroren zum Frühstück im Warmen bleiben. Das Wetter im Gebirge ist eben unberechenbar.

Natürlich besuchen wir auch das historische Gebäude Hotel Campo Imperatore, aber es ist in seiner traurigen Baufälligkeit so verkommen, dass es uns kein Foto und keinen Aufenthalt wert ist. Hoffen wir, das die umfangreichen Sanierungsarbeiten voranschreiten. Das Berghotel im Dornröschenschlaf hat viele Geschichten zu erzählen, es wird Zeit, es wieder zu erwecken.
Über die SS17 fahren wir Richtung L’Aquila, durchqueren die Ebene von Bazzano und Monticchio, um über Ocre auf das dem Gran Sasso vis à vis liegende Hochplateau des Altopiano delle Rocche zu gelangen. Dort finden wir einen Traumspot mit einer absolut überwältigenden Aussicht auf den nun nördlich von uns liegenden Gran Sasso. Von hier aus kann man das imposante Massiv in seiner ganzen Schönheit begreifen. Wir bleiben mehrere Tage und wandern über herrliche Routen zu umliegenden Dörfern, wo wir die Seele bei spektakulärer View und exzellenter, regionaler Küche baumeln lassen.




Der Abschied vom Gran Sasso fällt uns schwer, denn eine so gewaltige und beeindruckende Naturlandschaft im Herzen Europas haben wir vor unserer Italien-Reise nicht erwartet. Unsere Reiseroute wird uns nun weiter Richtung Süden führen, wir werden über Rocca di Mezzo durch den Parco Naturale Regionale Sirente-Velino fahren, wo wir in den einsamen Wäldern bei Molina Aterno zum ersten mal auf Wolfsspuren stoßen, und in dem historischen Celano am Rande der Fucino-Ebene eine der authentischen Abruzzeser Städte kennenlernen. Es warten noch viele weitere Highlights auf uns…aber dass uns Italien so gefallen wird, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet.

