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Der Sabar und eine senegalesische Hochzeit

Wir fühlen uns besonders geehrt, denn heute sind wir herzlichst zur Hochzeit von Tafa’s Tochter Umi eingeladen. Wir freuen uns sehr, bei der Zeremonie dabei sein zu dürfen, ist doch eine senegalesische Hochzeit ein ganz besonderes Erlebnis. Tafa Manga ist der Chef des Dorf-Campements von Elinkine, auf dem wir nun schon seit Wochen mit unserem Traveltiger stehen. Dieser Ort liegt umgeben von Mangroven im Herzen der Casamance, und da es noch immer keine Veränderung in den Reisebeschränkungen durch Corona gibt, zieht es uns von diesem Traumspot nicht weiter.

Seit einigen Wochen sind wir in Elinkine, Casamance, Senegal und heute auf dem Weg zu einer Hochzeit.

Tafa und wir haben uns in den letzten Wochen sehr angefreundet. Nach einer Runde Pizza, die wir für das Campement gebacken haben, hat er uns gebeten, ihm das Pizzabacken beizubringen. Fazit: Man lernt sich einfach nicht schneller und besser kennen, als über das gemeinsame Zubereiten und Essen von Speisen.
Und nun stehen wir mitten drin in einer traditionellen muslimischen Trauung und sind Teil des ,Spectacle Senegalaise‘.

Die Trauung

Dieser Hochzeit beiwohnen zu dürfen, ist für uns etwas ganz besonderes. Zuerst sind wir etwas nervös, fühlen uns unsicher, sind wir doch die einzigen weißen Gäste dort. Dazu kommt, dass wir die Gepflogenheiten rund um dieses Zeremoniell nicht kennen.

Die Frauen tanzen den Sabar, während die Männer in der Moschee die Trauung vollziehen – die Braut ist in der Moschee nicht dabei.

Die Männer

Während die Männer die Zeit in der Moschee verbringen, wo die Trauung ohne die Braut stattfindet, ist die ,Party’ im Haus der Braut in vollem Gange. Im Senegal ist es durchaus üblich, dass die Braut bei der Trauung in der Moschee nicht dabei ist.

Die Frauen

Bei unserer Ankunft ist die Braut noch nicht zu sehen. Schon den ganzen Tag dröhnt die Musik aus übergroßen Lautsprechern, doch am Nachmittag, als wir dazukommen, packt der Dj seine Anlage zusammen und die Band trifft ein. Die Frauen gruppieren sich um die Musiker, ein Rasta mit seiner Klarinette sowie drei Trommler, und bilden eine Tanzarena. Es wird sehr laut und der Rhythmus reißt alle mit. Die Frauen beginnen zu tanzen.

Einzeln oder in Gruppen zeigen die Frauen ihre Tanzkünste.

Der Sabar

Wer die Gelegenheit hat, einem Sabar beizuwohnen, sollte dies nicht versäumen. Niemand wird einen Sabar je vergessen. Der Sabar ist ein Begriff, der sowohl ein Schlaginstrument, einen Musikstil, eine sinnliche Tanzform als auch ein traditionelles Festival bezeichnet und im Senegal und Gambia sehr beliebt ist. Er ist ein wichtiger und wertvoller Bestandteil der Kultur von Wolof, Lebou und Derer. Übrigens wird in der Casamance hauptsächlich Diola gesprochen, eine der 39 Sprachen Senegals. Doch Sabar verstehen alle!
Der zum Tanzen geeignete Sabar begleitet viele festliche Anlässe wie Geburten, Taufen, Hochzeiten, das senegalesische Wrestling und vieles mehr. Das Besondere ist die Live-Trommelbegleitung.

Mitreißend und absolut überwältigend: der Sabar.

In Gruppen, aber hauptsächlich einzeln, treten Frauen in die Tanzmitte und wetteifern mit ihrem akrobatischen Tanz, mit dem sie nicht nur sich selbst, die anderen Frauen, sondern auch die Trommler zu einem explosiven Tempo animieren. Die Tänzerinnen bringen dabei ihre weibliche Identität und ihre eigene Persönlichkeit zum Ausdruck. Die Musiker gehen unmittelbar auf die Tänzerin/nen ein, indem sie Bewegungsakzente unterstreichen und Übergänge ankündigen. Der geübte Trommler kann die Bewegung der Tänzerin vorrausahnen und somit bilden sie eine dynamische Einheit. Der Tanz ist im Senegal sehr lebendig, weit verbreitet und beliebt. 

Mit Klanghölzern schlagen die Frauen den Rhythmus und begleiten die Trommler.

Es gibt unterschiedliche Trommeln in verschiedenen Tonierungen, Nder, Mbëng-Mbëng, Talmbat, Tiol, und Dun-Dun. Früher wurden die Instrumente verwendet, um von einem Dorf zum anderen über 15 km weit zu kommunizieren. Heute wird Sabar-Tanzen in vielen Ländern praktiziert und gelehrt, in wenigen Ländern wie Mali ist er verboten, weil er als unanständig gilt.

Frauen eines gleichen Jahrgangs tragen gleiche Kleider und treten als Gruppe auf.

Die Musiker spielen zum Tanz der Frauen, begleiten den Einzug der Braut in ihr Elternhaus, wo sie die Gratulanten empfängt und sie begleiten auch den festlichen Einzug der Geschenke – immer spielen sie ein und die selbe Melodie, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tut. Die Frau folgen den Musikern und schlagen dabei ihre Chaves, Klanghölzer aus Bambus, im Takt.

Die Kleinsten werden auf den Rücken ihrer Mütter ordentlich durchgeschüttelt, denn der Sabar ist ein sehr schneller und temperamentvoller Tanz.

Einige der Tänzerinnen treten als Gruppe auf und tragen gleiche Outfits. Auf unsere Nachfrage hin bekommen wir erklärt, das es sich bei den verschiedenen Tänzer-Gruppen um Frauen eines gleichen Jahrgangs handelt.

In einem Wettstreit zeigen die Frauen ihr tänzerisches Können.

Nach einer Stunde Tanz wird die Braut aus einem Nebengebäude in das Haupthaus begleitet, eingehüllt in Spitzentüchern und vor den neugierigen Blicken der Gäste geschützt. Dort empfängt sie ihre Gratulanten und nimmt ihre Geschenke entgegen. Auch wir reihen uns ein und finden die Braut auf ihrem Bett sitzend, umringt von Geschenken. Es stapeln sich Kunstleder-Handtaschen mit Gucchi-, Chanel- oder Versace-Logo, bunte Kleider und Tücher, Kosmetik und mindestens dreizig Plastikwannen voller Küchenutensilien.

Die Aussteuer

Gott sei Dank haben wir uns in Saint-Louis eine zweite digitale Küchenwaage gekauft, just in case, die wir nun als ein äußerst angebrachtes Geschenk für eine junge Frau erachten, deren Zukunft sich hauptsächlich in der Küche abspielen wird.

Einem Festzug gleich bringen die Frauen, immer zu den Klängen des Sabar tanzend, die Geschenke in das Haus der Braut.

An dieser Stelle möchten wir nicht über die Perspektiven von jungen Mädchen und Frauen sprechen, jedoch bedeutet in Senegal die Ehe nicht selbstverständlich traute Zweisamkeit, denn Männer dürfen nach islamischem Recht polygam leben. Es wird geschätzt, dass die Hälfte aller verheirateten senegalesischen Frauen in polygamen Verhältnissen lebt.

Ein Grund dafür ist die Strenggläubigkeit der senegalesischen Muslime, die knapp 95 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ein weiterer, dass die Gesellschaft im Senegal stark patriarchalisch geprägt ist. Ist man zu Gast in einer Familie, kann man beobachten, dass die Frau, egal wie modern sie sich gibt oder auch einem Beruf nachgeht – sich nicht an den Tisch setzt, bevor Männer und Kinder gegessen haben. Es sind auch die Töchter, die Botengänge erledigen und selbstverständlich von früh an die Hausarbeit verrichten. Sich amüsierende und spielende Kinder sind immer Jungs.

Wandel

Polygame Ehen werden seltener werden. Was für die  Elterngeneration noch als beste Form der Ehe galt, können heute junge Männer finanziell nur noch sehr schwer stemmen. Die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung in Dakar verdient weniger als 60 Euro im Monat, und Frauen erwarten sehr viel von einer Heirat, sowohl materiell als auch emotional.
Wir haben in den letzten Monaten schon so viele junge Männer im Alter von zwanzig bis Mitte dreizig kennengelernt, die sich eine Ehe nicht leisten können. Und die Familien, bzw. die Frauen sind im Alter ab dreizig in der misslichen Situation, nicht mehr auf eine monogame Ehe hoffen zu können.

Heute tanzen die Mädchen begeistert den Sabar. Ob sie das Glück haben, einen Mann zu lieben, der sich eine Hochzeit leisten kann, bleibt ihnen zu wünschen.

Wir wissen nicht, ob Tafa‘s Tochter als Zweitfrau getraut wurde, jedenfalls genießt die 21Jährige sehr, Mittelpunkt zu sein. Am frühen Abend, nachdem der Ehemann und die Männer aus der Moschee gekommen sind, wird sie, begleitet von Sabar-Klängen und viel Palaver in das Haus ihres Mannes gebracht.
Für uns geht ein erlebnisreicher Tag zu Ende und wir sind überglücklich, dass wir die Hochzeit von Umi Manga miterleben durften und tanzen, noch immer den Sabar im Kopf, glücklich und völlig durchschwitzt nach Hause zu unserem Traveltiger.

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