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Mit Berberaffen, Baumriesen und Kolkraben

Von Meknès aus machen wir uns weiter Richtung Süden, wieder eher der Nase lang, jedoch das grüne Band des Mittleren Atlas im Fokus. Unser nächstes Ziel ist Azrou, das historisch bedeutende Handelszentrum der Berber. Früher, zur französischen Kolonialzeit, war das Städtchen wegen seiner Höhenlage in den Bergen des Mittleren Atlas eine Sommerfrische und ist noch heute ein beliebtes Ausflugsziel. Azrou war schon immer ein Verkehrsknotenpunkt, hier kreuzen sich die Nationalstraße 8 (route impériale), eine alten Karawanenroute, die von Fès im Norden nach Marrakech im Südwesten am Westrand des Mittleren Atlas entlang verläuft, und der Nationalstraße 13 (route nationale), die wir vom nordwestlich gelegenen Meknès aus nehmen.

Cool and sunny – im Mittleren Atlas liegt Schnee.

Azrou ist wirklich ein wunderschönes Städtchen mit einem markanten Felsen, der ihr auch den Namen gegeben hat. Das große Angebot von frischem Obst und Gemüse wie auch Waren aller Art laden uns dazu ein, noch ein paar Einkäufe zu erledigen. Wir planen, ein Plätzchen in der Natur zu finden, wo wir endlich mal abseits von Lärm und Stadtgetriebe ein paar Tage in Ruhe stehen können.

Die gigantischen Dimensionen der Zedern beeindrucken uns sehr und wir verlieben uns in diese herrliche Landschaft des Ifrane-Nationalparks.

Von Azrou aus halten wir uns Richtung Ifrane, genauer gesagt ist die älteste Zeder im Nationalpark Ifrane, die Cidre Gouraud, unser Ziel. Doch wir haben die Rechnung ohne die vielen Wochenend-Ausflügler gemacht und unsere Route endet unvermittelt auf einem großen, überfüllten Parkplatz mit Einweiser und Ticketverkäufer – eine Sackgasse im wahrsten Sinne, denn die Straße ist ab hier gesperrt, was auf der Karte nicht zu erkennen war. Das ganze sieht nach Rummel aus und wir machen sofort kehrt, mit langem Gesicht, denn es ist schon wieder mal spät und es wird Zeit, ein geeignetes Plätzchen für uns zu finden. 

Die ältesten Zedern sind 700 Jahre alt und trotzen Kältetemperaturen bis –28 °C sowie den Trockenperioden in den heißen Sommermonaten. Für die deutsche Forstwirtschaft in Zeiten des Klimawandels ist die Atlaszeder eine denkbare Alternative zur Fichte.

Frank entdeckt auf Google Maps eine Piste, eine Abkürzung in ein weiteres Tal,, denn wir haben keine Lust, den ganzen Weg fast wieder nach Azrou zurück zu fahren, um auf einer anderen Strecke wiederum in den Nationalpark zu gelangen. Die Piste ist wirklich sehr abenteuerlich, voller Geröll und Gesteinsbrocken, rechts und links Schnee und Eisfelder. So hatten wir uns Marokko nun nicht gerade vorgestellt. Huuhh ist das kalt hier! Der Weg führt steil über einen kleinen Pass in das benachbarte Tal, wo wir wiederum an einem touristischen Spot herauskommen. Viele Camper stehen schon hier auf einem Parkplatz und mästen eifrig die vielen Berberaffen für das beste Foto. Leider haben sich die Makakenaffen schon lange an die zweibeinigen Futterautomaten gewöhnt. Dies ist  kein Platz für uns – da gilt es nun: Zähne zusammenbeißen, links abbiegen und immer weiter in die Berge hinauf, so weit weg von der Zivilisation, wie möglich. Der Weg wird schlechter, offroad – und keiner mehr unterwegs! Einige Kilometer weiter eröffnet sich vor uns eine traumhafte Hochebene, ein kleiner Pfad führt dort hinauf und endlich entdecken wir unseren Traumspot, einen Lagerplatz, der schon vor uns schon von anderen Besuchern genutzt wurde. Wir parken unseren Traveltiger direkt unter den großen Zedern mit Blick über die ganze Ebenen. Wir stehen auf fast 2000 Metern Höhe und es ist wirklich empfindlich kalt. Aber nach den vielen, vielen Tagen im Fahrzeug, auf Campingplätzen oder innerstädtischen Parkplätzen wollen wir alle nur noch raus in die Natur, die Reinheit der Luft kann man schmecken und Ayla und Aster benehmen sich endlich mal wieder wie richtige Hunde. Wir alle fühlen uns sauwohl und beschließen, zu bleiben.

Nach all‘ den Tagen im Fahrzeug oder in Städten können wir endlich alle wieder frei laufen und durchatmen – das tut gut.

In den nächsten Tagen erkunden wir unser Umfeld, wandern das Tal hinauf bis zu seinem Ende und bestaunen die Baumriesen und eine vielfältige, abwechslungsreiche Fauna um uns herum. Wir sind im Herzen des mittleren Atlas, der sich auf über 300 Kilometer durch die größten, zusammenhängenden Zedernwälder Marokkos zieht. Etwas westlich versetzt beginnt schon das Hohe Atlas-Gebirge.

Die einzigen, die uns besuchen, sind Einheimische, die für uns einen Gruß oder ein Souvenir im Angebot haben.

Der Nationalpark von Ifrane hat eine Fläche von 53.000 Hektar und ist wirklich einzigartig schön. Hier gibt es etlichen Flüsse, Quellen, kleinen Vulkanseen und Grotten und eine wilde Natur, die zum Wandern einlädt. Über uns zieht ein Kalkraben-Paar seine Kreise und begrüßt uns schon nach einem Tag, als währen wir alte Bekannte. Die mächtigen Zedern sind wirklich überaus beeindruckend und majestätisch schön. Wir können diese Riesen nur bewundern, kommen sie doch mit der Sommertrockenheit und Kälteperioden bis zu –28 °C ohne weiteres zurecht. Heutzutage stellt jedoch der Klimawandel sowie die Beweidung ein großes Problem für diese bis zu 700 Jahre alten Bäume dar. 

Die Nächte sind frostig und wir suchen morgens die wärmende Sonne.

In die tagelange Stille hinein dringt plötzlich das Geschrei eines Esels, Glockengeläut und Hundegebell zu uns und wenige Zeit später finden wir uns mit unserer kleinen Campsite mitten in einer großen Schafherde wieder. Auch besucht uns ein Berber, der sich mit seinem alten Combo den Weg zu uns hochhält, um uns seine Handwerksarbeiten anzubieten. Auf seiner Motorhaube breitet er ein wenig gebastelten Schmuck aus Fossilien der Region, selbstgewebte Berberteppiche und Schnitzwerk aus duftenden Zedernholz aus. Alles ist verführerisch schön, doch wir picken uns nur einen kleinen Anhänger heraus, eher als Dankeschön für seine Mühe und Besuch, den wir zur Erinnerung mitnehmen wollen. 

Sonntagsgäste.
Sonntagsbesuch: wir werden einfach von einer Schafherde okkupiert.

Zwei Tage später verlassen wir schweren Herzens diesen Platz, denn es zieht uns weiter, Richtung Süden. Unsere Lungen sind gefüllt mit frischer Bergluft und unsere Herzen mit Impressionen einer traumhaften, ursprünglichen Natur. Zedernwald, du hast uns verzaubert. Danke.

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