Heute ist meinem Tiger etwas Schreckliches passiert. Schon seit unserer Ankunft reden wir darüber, wie gefährlich die Schirmakazien und auch die anderen Bäume hier auf unserer Campsite Zebrabar, Senegal sind. Die Bäume sind sehr niedrig, die Stämme teilen sich schon dicht über dem Boden, die Äste sind oft abgebrochen oder beschnitten und die Stümpfe ragen in Augenhöhe in die Laufrichtung.

Nachts ist es besonders gefährlich und ohne Stirnlampe gehen wir gar nicht über die Camp-Anlage. Vor allem die Schirmakazien sind gefährlich, haben sie doch auch noch zu allem Übel spitze, lange Dornen, die abgebrochenen Ästchen, die sich im Sand verstecken, machen ein Barfuss laufen unmöglich.

Und nun ist es meinem geliebten, armen Tiger passiert. Weil er ein bisschen geträumt hat, und weil wir uns beeilt haben, weil der Fischer am Senegalufer mit frischem Fisch auf uns gewartet hat. Da höre ich hinter mir einen Schrei, ich drehe mich um und sehe, wie Frank kurz hinter mir in die Knie geht. An seinem Schmerz verzerrtem Gesicht sehe ich sofort, dass ihm was wirklich Schlimmes passiert ist.

Als gelernte Krankenschwester weiß Natalia sofort, was zu tun ist.

Gott sei Dank ist Luis an unserer Seite und er führt Frank sofort zu seiner Freundin Natalia, die Krankenschwester ist. Das Pärchen aus Barcelona ist wirklich Rettung in großer Not. Frank hat eine große Platzwunde auf dem Kopf, er blutet sehr stark und ich bin völlig geschockt.

Corona heißt: bloß nicht nach Dakar in Hospital

Luis begleitet Frank zu deren Camper, und als ich mit unserem Erste-Hilfe-Koffer bei ihnen eintreffe, ist Natalia schon dabei, Frank zu versorgen. Frank hat noch Glück im Unglück, er hat Gott sei Dank nur eine Fleischwunde, die Natalia nähen kann. Sie ist wirklich ein Engel.
Jetzt, während des Corona-Confinements wäre es eine Katastrophe, die 250 km bis nach Dakar zu fahren, wo es ein Hospital gibt. Wenn dies überhaupt möglich ist, da nicht nur die Landesgrenze, sondern auch die Bezirksgrenzen im Senegal geschlossen sind und man nur mit Genehmigung des Präfekten von Stadt zu Stadt reisen darf.

Durch das Corona-Confinement ist eine Fahrt in das Krankenhaus nach Dakar der größte anzunehmende Gau.

Nähen ohne Narkose

Da Frank gelernter Rettung-Sanitäter ist, ist unserer großer Erste-Hilfe-Koffer mit allem bestückt, was man für eine Erstversorgung braucht, aber Nähutensilien oder Anästhetikum haben wir nicht dabei.
Sicher hätten wir die Tacker von den Hunden nutzen können, aber weder Luis und Natalia noch wir haben sterile Tacker dabei. also fällt dies als Option weg. Gott sei Dank kann Natalia mit Nadel und Faden umgehen und hat auch alles zur Hand, doch ein Betäubungsmittel fehlt auch ihr.

Nähen ohne Narkose – Afrika und Corona fordern ihren Tribut

Frank ist so tapfer, er ist wirklich mein Tiger. Mit sechs Stichen muss Natalia eine sehr große und eine kleinere Platzwunde nähen. Ich nehme mir fest vor, dass ich das Nähen üben werde und wir wollen uns hier im Senegal unsere Reiseapotheke, bzw. unseren mobilen OP 😉 aufrüsten. Denn eines habe ich hier auf unserer Abenteuerreise schon erkannt: eine Schnitt- oder Platzwunde hat man sich schnell zugezogen, die genäht werden muss. Dafür werden wir uns das nötige Material, wie auch alle fehlenden Medikamente hier im Senegal besorgen, da hier keine Rezepte benötigt werden.

Der Schreck sitzt mir tief in den Knochen. Frank kann noch von Glück sagen, dass er kein Loch im Kopf hat und auch keine Gehirnerschütterung davonträgt. Wir geben ihm Ibuprofen und Antibiotika, und die Wunde ist schon am nächsten Tag geschlossen und heilt sehr gut ab. Danke, liebe Natalia, dass es Dich gibt.

Wir sind zwar gut ausgestattet, aber Nähnadeln und Narkosemittel fehlen uns und werden jetzt sofort von uns ergänzt.

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