Kultur Marokko

Meknùs, der Teppich und der Duft von Jasmin 🌾

Wie in meinem heißgeliebten Kinderbuch von Helga Croy ,Der Mond, der Teppich und der Duft von Jasmin’, so fĂŒhle ich mich in MeknĂšs und hoffe, wie der Protagonist in der Geschichte, hier meinen ,Fliegenden Teppich’ zu finden. 

Overnight mitten im Zentrum

Mit unserem Traveltiger fahren wir einfach mitten hinein in dieses bezaubernde MeknĂšs, die kleinste der vier KönigstĂ€dte Marokkos. Der unglaubliche Verkehr schreckt uns nicht und ich navigiere unseren 13-Tonner souverĂ€n auf einen kleinen Parkplatz direkt vor dem Königspalast von Moulay Ismail im Herzen der Stadt! Dieser bewachte Stellplatz verfĂŒhrt uns dazu, drei NĂ€chte zu bleiben, denn seine Lage ist einfach absolut perfekt. Diese wenigen Tage können natĂŒrlich niemals reichen, um eine so beeindruckende Stadt wenigstens ein kleines bisschen kennenzulernen, aber was wir als Erinnerung mitnehmen, ist eine Wiederkehr wert.

In unserem Lieblings-Restaurant kommen wir nach Wochen des permanenten Fahrens in MeknĂšs etwas runter.

Zu Fuß erobern wir uns in den Tagen und NĂ€chten StĂŒckchen fĂŒr StĂŒckchen die orientalische Altstadt, die aus dem 10. Jahrhundert stammt. Eine fast 40 Kilometer lange Mauer zeigt noch heute die historischen Grenzen der Kernstadt mit ihren beeindruckenden, mosaikbestĂŒckten Toren. Abgelaufen sind wir die Strecke allerdings nicht – das wollen wir uns fĂŒr das nĂ€chste Mal aufheben 😉. Mit dieser Mauer konnten die beeindruckenden SehenswĂŒrdigkeiten bewahrt werden, wie auch die zahlreichen Moscheen, die der Stadt den Spitznamen „Stadt der hundert Minarette“ verliehen haben. 

In der Welt der Sultane

Durch die imposanten, reich verzierten Tore gelangen wir direkt in das Viertel der ursprĂŒnglichen Souks, die nach den Beschreibungen in den ReisefĂŒhrern weniger touristisch und ĂŒberlaufen sind, als die in Marrakesch oder FĂšs. Die Souks unterteilen sich in unterschiedliche Abschnitte entsprechend ihren Waren; Tapisserien, Gewebe, Bric-a-brac, Zelte und schließlich auch Musikinstrumente. Die Schönheit und der Charme dieser Medina waren der UNESCO eine Eintragung im Weltkulturerbe wert. Die Medina saugt uns in sich hinein, wir geben uns hin und lassen uns treiben.

Zwar wird davor gewarnt, sich ohne StadtfĂŒhrer – die ĂŒbrigens an jeder Straßenecke ihre Dienste anbieten – in die Medina zu begeben, denn man wĂŒrde nicht mehr hinausfinden, doch gehen wir trotz aller Warnungen auf eigene Faust auf Entdeckungstour. Wir verlaufen uns nicht ein einziges Mal, allerdings gibt es ein Handycap, dass man beachten sollte: in der ĂŒberdachten Medina gibt es kaum Netzempfang und eine Navigation ĂŒber Internet ist nicht möglich.

Der Duft der vielen verschiedenen GewĂŒrze liegt in den Gassen der Altstadt.

Freundliche Begegnungen

Schaut man aber auch nur einen Moment etwas orientierungslos, kommt mit Sicherheit sofort ein Einheimischer, der einen freundlich, auch ohne anschließendem ,Teppichverkauf’, hilft. Ein Mann hat uns abends bei unserer Suche eines bestimmten Restaurants sogar bis vor die TĂŒr des Lokals begleitet, nur fĂŒr ein ,Dankeschön’. Wir erfahren in MeknĂšs von den Menschen nur Positives, alle sind ĂŒberaus freundlich, anscheinend immer gut gelaunt, absolut hilfsbereit, und sie erklĂ€ren uns mit einem LĂ€cheln im Gesicht ihre Stadt, ihre Produkte oder den Weg.

In den Restaurants und den Streetfood-Restaurants verwöhnen wir uns mit orientalischen GenĂŒssen.
Streetfood in Marokko – lecker, lecker, lecker.

Place El-Hedime

Im Zentrum befindet sich der große Place El-Hedime, den wir in nur fĂŒnf Gehminuten von unserem Traveltiger aus erreichen. Bei Einbruch der DĂ€mmerung verwandelt sich der schon tagsĂŒber sehr belebte Platz in einen riesigen Rummel mit Lunapark-Charakter. Gegen 18.00 Uhr fĂ€ngt das Leben und Treiben hier erst richtig an. Alle möglichen HĂ€ndler und Schausteller strömen auf den Platz, umringt von tausenden von Besuchern. Babys wie Greise drĂ€ngeln sich auf den Platz, zwischen Feuerschluckern, MĂ€rchenerzĂ€hlern, Schlangenbeschwörern und Gauklern stehen die stolzen und windschnellen Araberhengste mit Fussfessel reduziert auf einen Zentimeter Bewegungsfreiheit und warten traurig auf ein Touri-Foto. Die Affen rasen vor Hysterie an ihrer kurzen Ketten, die ihnen Tag und Nacht um den Hals liegt und sie geben wirklich eine traurige Figur ab in ihren Adidas-TrainingsanzĂŒgen. FĂŒr uns ist dieses Spektakel nichts, die Musik dröhnt aus billigen, scheppernden Lautsprechern und wirklich jeder drĂ€ngt uns etwas auf. Wir fliehen dann doch lieber in die nĂ€chtliche Medina, die sich schon sehr frĂŒh leert und die Hektik des Tages ausatmet. Jetzt hat sie ein ganz besondere Flair, nun zeigt sie ihr verschlafenes Gesicht, das tagsĂŒber mit einer Masse von Waren ĂŒberschminkt ist.

Die nÀchtliche Medina hat ihren ganz besonderen Reiz und man kann sich in ihr verlieren.
Die Kehrseite des bunten Treibens: schließen die HĂ€ndler, bleiben Berge von MĂŒll und Plastik auf den Straßen liegen.
Die armen Straßenhunde haben keine Lobby und keine Chance in Marokko.
Kutschen gehören zum Stadtbild und werden nicht nur von Touristen gerne genutzt. Wie es um die Pferde bestellt ist, fragt keiner. Manche sind krank, ungepflegt und können kaum noch auf ihren Beinen stehen, denn wĂ€hrend ihr Besitzer in der Kutsche ĂŒbernachtet, bleiben sie im Geschirr – 24 Stunden lang.

Der Fliegende Teppich

Jeden Tag lassen wir uns treiben, bummeln und genießen die vielen kulinarischen Köstlichkeiten, die orientalischen DĂŒfte und und KlĂ€nge. Schon zu Beginn unserer Reise haben wir davon gesprochen, dass wir uns in Marokko einen Teppich kaufen wollen, der zukĂŒnftig den Eingang vor unserem Traveltiger verschönern soll. Das riesige Angebot von Teppichen verschiedenster Techniken, GrĂ¶ĂŸen und Couleur macht es uns nicht leicht, denn wie sollen wir unter den 1001 Teppichen unseren finden? Völlig unmöglich, haben wir gedacht, und uns trotzdem auf die Suche gemacht und plötzlich finden wir uns zufĂ€llig tief in der Medina in einem der wundervollen, mittelalterlichen WohnhĂ€user wieder, das in seinem Herzen Berge von Teppichen fĂŒr uns bereit hĂ€lt. Wir  wissen nicht, wie wir ausgerechnet dort hingeraten sind. NatĂŒrlich ist der TeppichhĂ€ndler besonders freundlich und zuvorkommend, fĂŒhrt uns durch das herrliche GebĂ€ude und erklĂ€rt uns dessen Historie. Und natĂŒrlich gibt es fĂŒr uns Tee, den wir in den weichen Kissen vor dem Teetablett einnehmen. Auf unseren Wunsch hin werden uns Teppiche gezeigt, die alle besonders schön und zum Teil auch besonders wertvoll sind. Aber keiner sagt uns so richtig zu. Es vergeht mehr als einer Stunde, die uns wie ein Crashkurs ĂŒber orientalische Teppiche vorkommt, da zaubert der HĂ€ndler von deep, deep under einen alten, gebrauchten Teppich hervor, der ca. 80 Jahre alt ist, so sagt der VerkĂ€ufer. Er ist ein bisschen verfleckt, mit einigen Löchern und an den RĂ€ndern fransest er schon arg auseinander. Aber: das ist ER – mein fliegender Teppich! Wir sind sofort begeistert.und es ist völlig klar, dass dies unser Teppich ist. 

Mein ,Fliegender Teppich‘ ich habe ihn tatsĂ€chlich in MeknĂšs gefunden!

Erst Handeln, dann kaufen!

Das man in Marokko handeln muss, weiß ja jeder, aber alles in allem haben wir nicht nur den Teppich wirklich gut gehandelt, sondern wir haben auch noch die Reparatur, einen Transportbeutel und noch einen kleinen Kissenbezug, der perfekt zu dem Teppich passt, heraus gehandelt.

Allerdings soll man ja etwas, dass fĂŒr einen selbst besonders viel Wert ist, nicht allzu sehr herunterhandeln, das wĂŒrde nicht zusammenpassen. Jedenfalls wir sind sehr, sehr glĂŒcklich und gehen reicher, als wir gekommen sind. Da der HĂ€ndler dagegen nicht so glĂŒcklich aussieht, muss unser Handel doch nicht so schlecht zu unseren Gunsten ausgefallen sein. Wir freuen uns riesig, haben wir nun einen neuen Freund fĂŒr unsere Reise gefunden, mit dem wir ĂŒberglĂŒcklich ĂŒber die verwunschenen Gassen der Medina fliegen, hinaus zum Sultanpalast von MeknĂšs und unserem Traveltiger, der ungeduldig darauf wartet, mit uns weiterzuziehen.

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