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Regen–Regen–Regenzeit 🇸🇳💦🌧

Die beste Reisezeit für Westafrika sind die Wintermonate, bis in das Frühjahr hinein. Will man allerdings mal eine echte Regenzeit erleben, dann sollte man in den Sommermonaten in den Süden Senegals, in die Casamance reisen.

Nach Regen kommt Sonne und belohnt mit traumhaften Bildern.

Der Tiger im westafrikanischen Monsun

Durch das Confinement sitzen wir nun schon ein halbes Jahr in Senegal fest. Eigentlich war unsere Reiseplanung, im September in Namibia zu sein und damit der Regenzeit aus dem Weg zu fahren. Das wir nun mitten drin in dem feuchten Spektakel sind, verdanken wir den noch immer geschlossenen Grenzen. Weder nach Norden, noch nach Süden geht es für uns derzeit weiter. Dadurch dürfen wir nun seit sechs Wochen an verschiedenen Orten Senegals Regen und bis zu 100 Prozent Luftfeuchtigkeit erleben. Die täglichen Niederschläge werden mit etwas Sonnenschein unterbrochen, seit einer Woche allerdings haben wir Dauerregen.

Die größte Niederschlagsmenge weltweit

Die jährliche Regenmenge im tropisch-immerfeuchten Westafrika ist gewaltig. Sie liegt zwischen 1.000 und über 5.000 mm. Die höchsten Werte werden in den Regenwäldern von Liberia und Guinea gemessen. Zur Zeit regnet es in der Casamance, sintflutartig. Die extrem hohe Luftfeuchtigkeit liegt bei annähernd 100 Prozent.

Im Süden Senegals ziehen sich endlose Linien von Reisfeldern durch die Wetlands.

Überlebenswichtig für Mensch und Tier

Der westafrikanische Monsun entsteht über dem atlantischen Meer und stürmt am Ende der Trockenzeit gegen den schwächer werdenden Harmattan an, den wir mit seinem Sand und Staub, den er aus der Sahara mitbringt, während unserer Zeit in der Zebrabar, Saint-Louis, ausgiebig kennenlernen konnten.

Jetzt saugt der Monsun über dem Atlantik große Mengen Wasser auf und zehrt an unseren Nerven. Das viele aufgenommene Wasser verliert der Monsun dann wiederum über uns und dem zuvor vertrockneten Land – und spendet so neues Leben auf dem durstigen Boden. Jetzt ist die Zeit, in der das Land herrlich grün ist, die Tiere sind satt und zufrieden und die Menschen lachen im Regen!

Das Leben geht seinen normalen Lauf, der Regen stört hier niemanden.

Vorteile

Jeden Tag frisches Wasser
Sauberes Trinkwasser ist schwer zu finden, im südlichen Teil Senegals gibt es fast ausschließlich, häufig salziges, Brunnenwasser. Schon in der Region rund um M’bour, einer Großstadt im zentralen Westen, haben wir Trinkwasser in einem Wasser-Shop gekauft, in dem minderwertiges Wasser in Trinkwasserqualität aufbereitet wird. Übrigens zu einem Abholpreis von 28,– Euro den Kubikmeter!

Mit dem Beginn der Regenzeit haben wir sehr schnell realisiert, dass uns dieses kostbare Gut täglich im wahrsten Sinne zwischen den Händen zerrinnt! Gott sei Dank schwächelt unser billiges Sonnensegel nach wenigen Monaten Wind und Sonne schon so sehr, dass sich in dem ausgeleierten Material dicke Wasserbäuche bilden. Zuerst haben wir das gesammelte Wasser nur zum Duschen benutzt aber mit zunehmendem Ertrag begonnen, das Wasser in unseren Tank umzufüllen. Aktuell haben wir in nur wenigen Tagen unseren 500 Liter Trinkwassertank komplett bis zum Rand befüllt!

Angenehme Temperaturen
Ein großer Vorteil ist natürlich die moderate Temperatur. Wir haben zur Zeit um die 26 bis 28 Grad Celsius, besonders auch für unsere Hunde perfekt. Reisende, die zur Zeit im Norden Senegals unterwegs sind, berichten uns von 45 Grad im Expeditionsmobil! Und das im Unwetter bei geschlossenen Fenstern und Tür. Hot! 🔥😰
Vor allem Aster und Ayla bekommt die Temperatur gut, Ayla hatte allerdings kurzzeitig einen Schnupfen, weil sie partout im nassen Sand unter dem Auto liegen will.

Zum ersten Mal Monsun in Dassilame Sèrère bei Monsieur Mamadou. Es gibt nichts Schöneres, als im Regen zu duschen. Eine warme Dusche haben wir sowieso seit einem halben Jahr nicht mehr gehabt. Kein Ort, außer der Zebrabar, hatte bisher warme Duschen!

Wellness-Dusche
Das Regenwasser ist so wunderbar, wir nehmen keine Haarspülung und cremen uns nicht mehr nach dem Duschen, denn die Haare sind wie Seide und die Haut samtweich.

Keine Moskitos
–– solange es regnet!

Fester Sandboden
Wenn man schon wegen der aufgeweichten Wege schimpft, weil man nicht mehr überall hinkommt, so muss man aber auch erwähnen, dass der Regen bei Sandböden optimal ist. Tatsächlich ist es so, dass manche wunderschönen Stellen in weichem, tiefen Sandboden nicht erreichbar wären, hätte der Regen die Böden nicht so stark verdichtet, dass sie sich wirklich gut befahren lassen.

Nachteile

Tückische Untergründe
Das reisen ist super schwierig geworden. Unser 13-Tonnen schwerer Tiger mag keine nassen Pfoten – nein, das stimmt nicht — wir müssen nur sehr aufpassen, welchen Weg wir wählen. Einfach mal so eben irgendwo ins Gelände hineinfahren, um einen lauschigen Übernachtungsplatz zu finden, funktioniert nicht mehr. Die Untergründe sind heimtückisch, eine harmlose Pfütze kann sich plötzlich als Schlammloch-Falle herausstellen, und wo gerade noch fester Untergrund war, ist es wenige Meter weiter so weich, dass man schnell bis zur Achse einsackt.

Besonders in der Casamance steht der Senegal während der Regenzeit unter Wasser und speist die Reiskammer Senegals!

Malaria
Auch wir zeigen gerne die wunderschönen Reisebilder in den Social Media. Schließlich sind wir auch Gäste hier, und zeigen deshalb nicht alle Bilder, denn es gibt auch das zu sehen, wo man lieber schnell wieder wegschauen möchte.

Senegal ist sehr schmutzig, von Müll- oder einer funktionierenden Wasserver- und entsorgung weit entfernt. Jetzt bilden sich überall Tümpel und Kloaken, Hausabwässer, Tierfäkalien, Müll und Unrat lockt alles an, mit dem man am besten nichts zu tun haben sollte. Alle laufen barfuss oder in Gummischlappen, was anderes macht allerdings auch keinen Sinn. Allerdings holt man sich in den Pfützen Hakenwürmer und auf der Wasseroberfläche wimmelt es von Moskitos.

Malariaprophylaxe ist ganz großes Thema, aber wie soll man die Medikamente Bitteschön über ein halbes Jahr und länger nehmen? Also können wir uns momentan nur schützen, indem wir vorsichtig sind, uns rechtzeitig in der Dämmerung lange Sachen anziehen und die Moskito-Schutzgitter zuhalten.

Innen wie außen – die Nässe kriecht in alle Ritzen. Feuchte Stellen, Schimmel an Leder und Holz und muffige Kleidung sind das Resultat.

Feuchtigkeit und Schimmel
Alles ist und bleibt feucht. Selbst nach ein paar Sonnenstunden und lüften bleiben die Stoffe klamm. Wir sind fast verzweifelt, als wir zum ersten Mal erleben müssen was es bedeutet, verschimmelte Kleider und Schuhe zu haben. Was ein Drama! Und eine Arbeit. Alles räumen wir seit Tagen aus, reinigen es und verstauen wieder. Unsere guten Lederschuhe – oh je! Die Messerscheiden, die Gürtel, die Frühstücks-Holzbrettchen, Schmuck mit Leder – unendlich viel Arbeit und Ärger.

Kakerlaken
Mit der Feuchte kommen die braunen Krabbeltiere, die es ja gerne warm und feucht haben. Klar. Aber bitte nicht in unserem Auto! In jeder Ritze, in dem Scharnier, überall verstecken sich die Biester. Wieder heißt es: ausräumen, sprühen, reinigen, einräumen. Langweilig wird es während der Regenzeit nicht!

Die Regenzeit zeigt ihre schönen Seiten und belohnt mit traumhafter Szenerie. Die Landschaft hat sich verwandelt, der Himmel schmückt sich mit kitschig-schönen Abendhimmeln und die Temperaturen sind angenehm moderat.

Fazit

Eigentlich sind alle Reisenden, die wir auf unserer Fahrt durch Senegal kennengelernt haben, vor dem Regen nach Norden geflüchtet und finden uns wirklich tapfer, dass wir die Regenzeit hier ertragen.
Ganz ehrlich? Wir denken, es ist wie bei allem: es kommt immer darauf an, was man daraus macht.  

Da wir noch immer an dem Gedanken einer Weiterreise nach Südafrika festhalten, wollen wir die Regenzeit aussitzen und sogar noch weiter hineinfahren. Sobald die Grenze öffnet, geht es weiter Richtung Süden. Guinea soll ja während des Monsuns die stärksten Niederschläge weltweit haben! 😉

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