Afrika Hunde auf Tour Reiseausstattung Senegal Tour

Au revoir – Sénégal! 🇧🇴

Schon lange sind wir nicht mehr der Meinung, dass ein Reisen während der weiterhin andauernden Reisebeschränkungen durch COVID-19 sinnvoll ist. Unsere Planung einer großen Afrika-Tour haben wir mit Jahresbeginn 2021 aufgegeben. Umsonst hat mein Bruder, der seit 40 Jahren in Namibia lebt, auf uns gehofft. Nach 19 Monaten ist für uns der Traum Afrika ausgeträumt. Der Senegal hat uns einen sehr sicheren Aufenthalt während des Corona-Confinements ermöglicht, wofür wir sehr dankbar sind. Hier kannst Du ein sanftes Afrika-Abenteuer erfahren. Die Menschen sind äußerst freundlich und hilfsbereit, alles hat einen westlichen touch und es gibt eine gewisse Ordnung. Corona-Beschränkungen haben wir dort fast keine erlebt, der Alltag lief wie immer ab. Kurzum: wir haben uns fantastisch aufgehoben gefühlt und waren – mit einer einzigen Ausnahme – überall auf das herzlichste willkommen.

In Dakar sind wir das erste Mal nach 19 Monaten ohne unseren Traveltiger, der am Lac Rose auf uns wartet. Wir wollen in der Hauptstadt zu den Botschaften von Marokko und Mauretanien, um eine Sondergenehmigung für eine Durchreise zu bekommen. Auch in der Deutschen Botschaft versuchen wir einen Gesprächstermin zu bekommen. Noch sind wir optimistisch.

Keine Weiterreise Richtung Südafrika

In anderen Ländern Afrikas sieht es jedoch etwas anders aus. In den Social Media erfahren wir von dramatischen Unruhen in Nigeria, im Frühjahr 2021 gibt es Demonstrationen und Ausschreitungen mit vielen Toten im Senegal, die ganze Welt schaut auf die sozialen Unruhen in Südafrika. Infolge der Pandemie protestieren viele Menschen in Tunesien – oft gewalttätig. Alle Länder sind durch Armut und extreme soziale Ungleichheit geprägt. Alle durchleiden gerade die dritte oder vierte Corona-Welle mit zum Teil rasant steigenden Todeszahlen und einem kollabierenden Gesundheitswesen. Uns ist klar, dass das Ausmaß der durch das Virus hervorgerufenen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Auswirkungen zum jetzigen Zeitpunkt unseres Reiseabbruchs noch nicht in seiner Gänze abzusehen ist. Es werden vermehrt Daten und Prognosen öffentlich, die ahnen lassen, dass der afrikanische Kontinent den Höhepunkt der Pandemie noch vor sich hat. Das alles verschärft unsere Situation und unseren brennenden Wunsch, nun doch nach Europa zurückzukehren.

Die durch das Virus hervorgerufenen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Auswirkungen führen in ganz Afrika zu gewalttätigen Ausschreitungen – ein sicheres Reisen ist unmöglich geworden.

Willkür und Chaos

Gerade bei den Grenzpassagen bist Du einer Willkür und einem Chaos ausgesetzt. Mit Corona hat sich die Situation in den Ländern, die noch auf unserer Reiseroute nach Namibia liegen, drastisch verschärft und die politische Situation in Ländern wie Mali, Nigeria, Kamerun und Kongo ist noch weitaus instabiler geworden, als sie schon vor der Pandemie war. In unserer Zeit in Westafrika haben wir den Umgang mit Polizei, Zoll und anderen Behörden zu genüge kennengelernt. Schmiergeld-Forderungen sind etwas ganz Normales und wird erwartet. Im Senegal und besonders in Gambia läuft dieses Prozedere noch harmlos ab und folgt man der freundlichen Aufforderung etwas für die Polizei zu tun, nicht, so wird man nur ein bisschen kontrolliert und aufgehalten. Das zehrt zwar an deinen Nerven, ist aber in keiner Situation für uns gefährlich. In Nigeria wird man jedoch mit vorgehaltenem Maschinengewehr aufgefordert – das ist dann doch eine andere Liga. Besonders unübersichtlich ist es, weil in Afrika nicht jeder Autorisierte eine Uniform trägt und umgekehrt nicht jede Uniform echt ist. Da gibst Du schon mal dem Falschen deine Ausweis-Dokumente in die Hand, die dann auf einmal mit schnellen Beinen um die Ecke verschwinden.

Eine Grenzpassage ist immer ein Abenteuer. Man weiß nie, wie schnell es geht und welche Komplikationen einen überraschen.

Keine Hilfe durch die Botschaft

Die Entwicklung in Afrikas lässt uns nach 19 Monaten Westafrika unsere Pläne ändern und eine notwenige Rückkehr nach Europa akzeptieren. Allerdings haben wir nicht damit gerechnet, dass uns Marokko einen Strich durch die Rechnung macht und noch immer seine Grenzen für den touristischen Verkehr auf unabsehbare Zeit geschlossen hält. Wir halten seit Pandemie-Beginn im März 2020 mit der Deutschen Botschaft in Dakar Kontakt und bitten jetzt um Hilfe. Auch stehen wir von Beginn an auf der Elefand-Liste, der elektronischen Datenerfassung des Auswärtigen Amts. Mit dem Abschicken unserer Daten erklären wir uns dazu bereit, dem Auswärtigen Amt bzw. den vom Auswärtigen Amt beauftragten Organisationen unsere Daten zum Zweck der konsularischen Betreuung in Krisenfällen zu überlassen. Doch die Botschaft und das Auswärtige Amt verweigern uns jegliche Unterstützung – ohne Begründung! Dabei brauchen wir nur eine Diplomatische Note, die uns bei den Innenministerien von Mauretanien und Marokko eine Sondergenehmigung für eine Durchreise hätte erwirken können. Wir haben erlebt, dass andere europäische Länder in dieser Situation ihren Landsleuten beiseite stehen, helfen und eine sichere Rückkehr ermöglichen.

Als Bittsteller vor der Marokkanischen Botschaft – nervend, zeitfressend und erfolglos. Eine Einreise mit dem Flugzeug und ein Aufenthalt bis zu drei Monate ist kein Problem – eine Passage der Landesgrenze ist jedoch für den touristischen Verkehr ausgeschlossen 🤷‍♀️🙁

Zurück per Schiff und Flugzeug

Ohne Unterstützung bleibt uns nun nur, unser Fahrzeug zu Verschiffen und mit unseren Hunden zurückzufliegen. Den Traveltiger in Afrika zurückzulassen steht für uns außer Frage, sind doch die Auswirkungen durch Corona und die Entwicklung im Senegal nicht kalkulierbar. Die Verschiffung bedeutet für uns extremen Stress und ist mit erhebliche Kosten verbunden. Schon seit Monaten haben wir Kontakt zu einer Verschiffungs-Agentur in Hamburg und halten uns ständig über die Fährverbindungen auf dem Laufenden. Womit wir allerdings nicht gerechnet haben, dass just in dem Moment, in dem wir nun endlich die Verschiffung buchen wollen, reguläre Verbindung für den touristischen Verkehr eingestellt wurden und unser Agent in Hamburg uns eine negative Auskunft bezüglich aller übrigen Routen nach Europa gibt. Seine Aussage, dass es in 2021 für unseren Traveltiger keine planbare Verschiffung mehr gibt, zieht uns sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Wir sind nun mit unseren Nerven wirklich am Ende. In Dakar haben wir wirklich alles menschenmögliche getan, sind als Bittsteller zu Botschaften und haben an unsäglich viele Türen geklopft um am Ende die teure Verschiffung zu akzeptieren. Und jetzt das!

Freunde helfen in Deutschland, suchen für uns Möglichkeiten für eine Rückreise – ohne Ergebnis. Doch einige Tage später erhalten wir den erlösenden Anruf von Caravan Shippers, unseres Agenten aus Hamburg, dass es eine allerletzte Passage auf der Grande Congo gibt. Diese Fähre wird allerdings in wenigen Tagen aus Lomé, Togo in Dakar eintreffen. Wir haben nur wenige Stunden, um uns zu entscheiden und es muss alles rasend schnell gehen, die nötigen Papiere zusammentragen und den Transiteur im Zollhafen von Dakar treffen. Dieser macht uns wenig Hoffnung, denn seiner Meinung nach bleibt für die bürokratische Arbeit zu wenig Zeit. Wir hoffen und bangen bis zum Schluss. Ein Segen ist für uns die Verschiffungsagentur Caravan-Shippers, die uns wirklich eine sehr gute Betreuung und ein permanentes stand by gibt!

Dakar Termininal.
Laut.
Heiß.
Anstrengend.
Stressig.
Einfach schrecklich ermüdend.

Anstrengung, Stress und Abschied

Während weniger Tage müssen wir den Traveltiger startklar machen und zum ersten Mal alleine auf Reisen schicken. Alles muss für die Verschiffung vorbereitet werden. Gut, dass wir für geplante Wanderungen Rucksäcke an Bord haben, so können wir uns das Nötigste für die verbleibende Zeit in Dakar und für den Flug zusammenpacken.

Von unserem Hotelzimmer aus können wir tatsächlich die Grande Congo auf ihrer Abfahrt von Dakar am Horizont sehen – mit unserem Traveltiger Bord!
Über die MarineTraffic-App können wir die Grande Congo auf ihrer Fahrt nach Antwerpen mitverfolgen.

Hunde-Transportboxen zu kaufen ist in Dakar eine mittlere Katastrophe, es gibt dort keinen ,Fressnapf‘ oder ,ZooPlus‘. Wir müssen ganz Dakar abklappern – und das will was heißen. Dakar ist groß und erstickt im Verkehrschaos. Es ist heiß, 35 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit zwischen 80 und 100 Prozent. Wir sind eigentlich ständig am Limit. Immer ist es eine enorme Anstrengung, etwas zu erledigen, was dann auch noch Stunden dauert, denn im Senegal läuft alles immer etwas langsamer ab. Dazu kommt, dass durch Corona alles noch erschwert wird.

Ach Senegal! Selbst im Fachgeschäft wird man über den Tisch gezogen: wir merken nicht, dass eine der Boxen schon gebraucht ist und müssen auch noch das Doppelte wie in Deutschland zahlen.

Bei Brüssel Airlines musst Du auf der Straße warten und buchst Deine Tickets zwischen Tür und Angel. Die Hunde brauchen noch ein Gesundheitsattest beim Tierarzt, die Taxifahrer sind Moslems und mögen keine Hunde transportieren. Auch die Hunde sind am Ende, die Hitze, der Lärm und der Dreck! Jede Gassi-Runde ist ein Kloaken-Lauf. Die Straßen stehen durch wenig Regen sofort unter Wasser, da die Kanalisation, wenn vorhanden, nicht funktioniert und der Müll schwimmt durch die Gassen.

Die Gassi-Runde um den Sportplatz ist tatsächlich eine der besseren Orte, unseren Hunden einen Spaziergang in Dakar zu ermöglichen.

Wir brauchen unsere zweite Impfung und es gibt keinen Impfstoff. Zwei Tage stehen wir in Dakar alleine nur für unsere Impfung an – ab morgens um sechs Uhr – und in den Warteschlangen vor den Testzentren stehen die Menschen stundenlang ungeschützt in der heißen Sonne. Auch den Test benötigen wir noch vor unserem Abflug.

Dakar macht uns krank und nimmt uns die wenige Power, die wir nach 19 Monaten West-Afrika noch übrig haben. Wir sind unglaublich gestresst und die letzten Wochen Lärm und Dreck in Dakar geben uns den Rest.

Sauna-Shuttle Hotel via Airport – extrem heiß, extrem teuer!
Etwas, das uns wirklich fehlen wird, ist die lockere Art der Senegalesen, wie zum Beispiel hier am Airport, wo kurzerhand die Schuhe der Betenden im Wartebereich der Passagiere abgestellt sind.
Gute Miene: Lächeln trotz immenser Anstrengungen und absolutem Stress!
Das Ende unserer Afrika-Umrundung. Traurig, gestresst und im wahrsten Sinne des Wortes am Ende!

Selbst der Abflug presst noch das letzte Quäntchen Energie aus uns heraus, wieder müssen wir unglaublich geduldig sein, Schmiergeld bezahlen und bangen trotzdem noch stundenlang im Flieger, dass unsere Hunde in dem tosenden Lärm bei der Gepäckverladung stehen geblieben sind – bis uns der nette Chef-Steward die positive Auskunft gibt: „Ihre Hunde sind auch an Bord!“ Was für eine Odyssee! Stunden später landen wir nach all den Strapazen völlig übermüdet und ausgepowert in Brüssel.

Wir sind sehr froh, dass unser Traveltiger die Verschiffung schadlos überstanden hat und wir nach mehr als einer Woche wieder zusammen sind.
  1. Hi ihr beide! Ich habe heute zum ersten Mal „so richtig“ in euren Blog geschaut. Da habt ihr ja extremen Stress gehabt. Hochachtung wie ihr das letztendlich doch gemeistert habt. Ihr habt in Instagram immer tolle Bilder gepostet, aber man konnte zwischen den Zeilen immer lesen wie zunehmend stressig das Ganze wurde. Mich demotivieren eure Erlebnisse Afrika irgendwann mit dem „Camper“ in Angriff zu nehmen. Bin mit einigen afrikanischen Ländern vertraut und hab eine Ahnung was dich im Extremfall erwarten kann. Hoffe euch geht’s nun wieder gut! Wenn ich es richtig verstanden habe seid ihr ja mittlerweile in Polen unterwegs . Alles Gute! Liebe Grüße! Heidi
    Ps In Summe tolle informative Web – Site!

    • Heike Krüger

      Liebe Heidi,
      es freut uns sehr, dass Dir unser Blog gefällt.

      Afrika ist, so denken wir, der schwierigste Kontinent für Overlander und eine Herausforderung für Mensch, Hund und Fahrzeug. Wir haben mit den Ländern Marokko, Mauretanien, Senegal und Gambia ein sanftes Abenteuer ,erfahren‘. Die Menschen waren, mit nur wenigen Ausnahmen, sehr freundlich zu uns. Allerdings konnten wir auch Willkür und Chaos kennenlernen und dies auf Länder projiziert, die schon vor Corona politisch und wirtschaftlich instabil waren, hat uns zu dem Entschluss gebracht, unsere Reise durch den Afrikanischen Kontinent bis auf‘s Weiter aufzuschieben. Es ist im Moment einfach sehr unsicher und in einigen Ländern zu gefährlich geworden.

      Polen war Erholung für die Augen und Balsam für die Seele. So grün, so ruhig und so sauber…ein tolles Reiseland für Camper in einer herrlichen Landschaft!
      Wir wünschen Dir, Liebe Heidi und Peter allzeit Gute Fahrt, tolle Abenteuer und bleibt gesund!

      P.S. Wer mehr über Heidi, Peter und ihre tollen Reiseabenteuer erfahren will, sollte umbedingt mal hier schauen:
      https://breezzze.com/wer-wir-sind/

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